Difference between revisions of "Theory of Stochastic Signals/Stochastic System Theory"
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== # ÜBERBLICK ZUM FÜNFTEN HAUPTKAPITEL # == | == # ÜBERBLICK ZUM FÜNFTEN HAUPTKAPITEL # == | ||
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− | Dieses Kapitel beschreibt den Einfluss eines Filters auf die Autokorrelationsfunktion (AKF) und das Leistungsdichtespektrum (LDS) stochastischer | + | Dieses Kapitel beschreibt den Einfluss eines Filters auf die Autokorrelationsfunktion (AKF) und das Leistungsdichtespektrum (LDS) stochastischer Signale. |
− | *die Berechnung von AKF und LDS am Filterausgang (''Stochastische Systemtheorie''), | + | Im Einzelnen werden behandelt: |
− | *die Struktur und die Darstellung ''Digitaler Filter'' (nichrekursiv und rekursiv), | + | |
− | *die ''Dimensionierung'' der Filterkoeffizienten für eine vorgegebene AKF, | + | *die Berechnung von AKF und LDS am Filterausgang (''Stochastische Systemtheorie'' ), |
− | *die Bedeutung des ''Matched-Filters'' für Nachrichtensysteme (SNR-Maximierung), | + | *die Struktur und die Darstellung ''Digitaler Filter'' (nichrekursiv und rekursiv), |
− | *die Eigenschaften des ''Wiener-Kolmogorow-Filters'' zur Signalrekonstruktion. | + | *die ''Dimensionierung'' der Filterkoeffizienten für eine vorgegebene AKF, |
+ | *die Bedeutung des ''Matched-Filters'' für Nachrichtensysteme (SNR-Maximierung), | ||
+ | *die Eigenschaften des ''Wiener-Kolmogorow-Filters'' zur Signalrekonstruktion. | ||
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eindeutig beschrieben ist. Der Zusammenhang zwischen diesen Beschreibungsgrößen im Zeit– und Frequenzbereich ist durch die [[Signaldarstellung/Fouriertransformation_und_-rücktransformation#Eigenschaften_aperiodischer_Signale|Fouriertransformation]] gegeben. | eindeutig beschrieben ist. Der Zusammenhang zwischen diesen Beschreibungsgrößen im Zeit– und Frequenzbereich ist durch die [[Signaldarstellung/Fouriertransformation_und_-rücktransformation#Eigenschaften_aperiodischer_Signale|Fouriertransformation]] gegeben. | ||
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Legt man an den Eingang das Signal x(t) an und bezeichnet das Ausgangssignal mit y(t), so liefert die klassische Systemtheorie folgende Aussagen: | Legt man an den Eingang das Signal x(t) an und bezeichnet das Ausgangssignal mit y(t), so liefert die klassische Systemtheorie folgende Aussagen: | ||
− | *Das Ausgangssignal y(t) ergibt sich aus der [[Signaldarstellung/Faltungssatz_und_Faltungsoperation|Faltung]] zwischen dem Eingangssignal x(t) und der Impulsantwort h(t): | + | *Das Ausgangssignal y(t) ergibt sich aus der [[Signaldarstellung/Faltungssatz_und_Faltungsoperation|Faltung]] zwischen dem Eingangssignal x(t) und der Impulsantwort h(t). Die folgende Gleichung gilt für deterministische und stochastische Signale gleichermaßen: |
:y(t)=x(t)∗h(t)=∫+∞−∞x(τ)⋅h(t−τ)dτ. | :y(t)=x(t)∗h(t)=∫+∞−∞x(τ)⋅h(t−τ)dτ. | ||
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− | *Bei deterministischen Signalen geht man meist den Umweg über die Spektralfunktionen. Das Spektrum X(f) ist die Fouriertransformierte von x(t). Die Multiplikation mit dem Frequenzgang H(f) führt zum Ausgangsspektrum Y(f). | + | *Bei deterministischen Signalen geht man meist den Umweg über die Spektralfunktionen. Das Spektrum X(f) ist die Fouriertransformierte von x(t). Die Multiplikation mit dem Frequenzgang H(f) führt zum Ausgangsspektrum Y(f). Daraus lässt sich das Signal y(t) durch Fourierrücktransformation gewinnen. |
− | *Bei stochastischen Signalen versagt diese Vorgehensweise, da dann die Zeitfunktionen x(t) und y(t) nicht für alle Zeiten von –∞ bis +∞ vorhersagbar sind und somit die dazugehörigen Amplitudenspektren X(f) und Y(f) gar nicht existieren. In diesem Fall muss auf die im letzten Kapitel definierten [[Stochastische_Signaltheorie/Leistungsdichtespektrum_(LDS)|Leistungsdichtespektren]] übergegangen werden. | + | *Bei stochastischen Signalen versagt diese Vorgehensweise, da dann die Zeitfunktionen x(t) und y(t) nicht für alle Zeiten von –∞ bis +∞ vorhersagbar sind und somit die dazugehörigen Amplitudenspektren X(f) und Y(f) gar nicht existieren. |
+ | *In diesem Fall muss auf die im letzten Kapitel definierten [[Stochastische_Signaltheorie/Leistungsdichtespektrum_(LDS)|Leistungsdichtespektren]] übergegangen werden. | ||
==Amplituden- und Leistungsdichtespektrum== | ==Amplituden- und Leistungsdichtespektrum== | ||
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*Das Leistungsdichtespektrum {\it Φ}_x(f) kann – ebenso wie die Autokorrelationsfunktion φ_x(τ) – für jede einzelne Musterfunktion des stationären und ergodischen Zufallsprozesses \{x(t)\} angegeben werden, auch wenn der spezifische Verlauf von x(t) explizit nicht bekannt ist. | *Das Leistungsdichtespektrum {\it Φ}_x(f) kann – ebenso wie die Autokorrelationsfunktion φ_x(τ) – für jede einzelne Musterfunktion des stationären und ergodischen Zufallsprozesses \{x(t)\} angegeben werden, auch wenn der spezifische Verlauf von x(t) explizit nicht bekannt ist. | ||
*Das [[Signaldarstellung/Fouriertransformation_und_-rücktransformation#Das_erste_Fourierintegral|Amplitudenspektrum]] X(f) ist dagegen undefiniert, da bei Kenntnis der Spektralfunktion X(f) auch die gesamte Zeitfunktion x(t) von –∞ bis +∞ über die Fourierrücktransformation bekannt sein müsste, was bei einem stochastischen Signal eindeutig nicht der Fall sein kann. | *Das [[Signaldarstellung/Fouriertransformation_und_-rücktransformation#Das_erste_Fourierintegral|Amplitudenspektrum]] X(f) ist dagegen undefiniert, da bei Kenntnis der Spektralfunktion X(f) auch die gesamte Zeitfunktion x(t) von –∞ bis +∞ über die Fourierrücktransformation bekannt sein müsste, was bei einem stochastischen Signal eindeutig nicht der Fall sein kann. | ||
− | *Ist entsprechend der nebenstehenden Skizze ein Zeitausschnitt der endlichen Zeitdauer T_{\rm M} bekannt, so kann für diesen natürlich wieder die Fouriertransformation | + | *Ist entsprechend der nebenstehenden Skizze ein Zeitausschnitt der endlichen Zeitdauer T_{\rm M} bekannt, so kann für diesen natürlich wieder die Fouriertransformation angewendet werden. |
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{{BlaueBox|TEXT= | {{BlaueBox|TEXT= | ||
− | \text{Satz:} | + | \text{Satz:} Zwischen dem Leistungsdichtespektrum {\it Φ}_x(f) des zeitlich unendlich ausgedehnten Zufallssignals x(t) und dem Amplitudenspektrum X_{\rm T}(f) des begrenzten Zeitausschnittes x_{\rm T}(t) besteht der folgende Zusammenhang: |
− | Zwischen dem Leistungsdichtespektrum {\it Φ}_x(f) des unendlich ausgedehnten Zufallssignals x(t) und dem Amplitudenspektrum X_{\rm T}(f) des begrenzten Zeitausschnittes x_{\rm T}(t) besteht der folgende Zusammenhang: | ||
:$${ {\it \Phi}_x(f)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} | :$${ {\it \Phi}_x(f)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} | ||
\frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot \vert X_{\rm T}(f)\vert ^2.$$}} | \frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot \vert X_{\rm T}(f)\vert ^2.$$}} | ||
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− | \text{Beweis:} | + | \text{Beweis:} Vorne wurde die |
− | Vorne wurde die | ||
[[Stochastische_Signaltheorie/Autokorrelationsfunktion_(AKF)#Autokorrelationsfunktion_bei_ergodischen_Prozessen|Autokorrelationsfunktion]] eines ergodischen Prozesses mit der Musterfunktion x(t) wie folgt angegeben: | [[Stochastische_Signaltheorie/Autokorrelationsfunktion_(AKF)#Autokorrelationsfunktion_bei_ergodischen_Prozessen|Autokorrelationsfunktion]] eines ergodischen Prozesses mit der Musterfunktion x(t) wie folgt angegeben: | ||
:$${ {\it \varphi}_x(\tau)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} | :$${ {\it \varphi}_x(\tau)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} | ||
\frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot\int^{+T_{\rm M}/2}_{-T_{\rm | \frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot\int^{+T_{\rm M}/2}_{-T_{\rm | ||
M}/2}x(t)\cdot x(t + \tau)\hspace{0.1cm} \rm d \it t.$$ | M}/2}x(t)\cdot x(t + \tau)\hspace{0.1cm} \rm d \it t.$$ | ||
− | Es ist zulässig, die zeitlich unbegrenzte Funktion x(t) durch die auf den Zeitbereich -T_{\rm M}/2 bis +T_{\rm M}/2 begrenzte Funktion x_{\rm T}(t) zu ersetzen. x_{\rm T}(t) korrespondiert mit dem Spektrum X_{\rm T}(f), und man erhält durch Anwendung des [[Signaldarstellung/Fouriertransformation_und_-rücktransformation#Das_erste_Fourierintegral|ersten Fourierintegrals]] und des [[Signaldarstellung/Gesetzmäßigkeiten_der_Fouriertransformation#Verschiebungssatz|Verschiebungssatzes]]: | + | *Es ist zulässig, die zeitlich unbegrenzte Funktion x(t) durch die auf den Zeitbereich -T_{\rm M}/2 bis +T_{\rm M}/2 begrenzte Funktion x_{\rm T}(t) zu ersetzen. x_{\rm T}(t) korrespondiert mit dem Spektrum X_{\rm T}(f), und man erhält durch Anwendung des [[Signaldarstellung/Fouriertransformation_und_-rücktransformation#Das_erste_Fourierintegral|ersten Fourierintegrals]] und des [[Signaldarstellung/Gesetzmäßigkeiten_der_Fouriertransformation#Verschiebungssatz|Verschiebungssatzes]]: |
:$${ {\it \varphi}_x(\tau)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} | :$${ {\it \varphi}_x(\tau)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} | ||
\frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot \int^{+T_{\rm M}/2}_{-T_{\rm | \frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot \int^{+T_{\rm M}/2}_{-T_{\rm | ||
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T}(f)\cdot {\rm e}^{ {\rm j}2 \pi f ( t + \tau) } \hspace{0.1cm} | T}(f)\cdot {\rm e}^{ {\rm j}2 \pi f ( t + \tau) } \hspace{0.1cm} | ||
\rm d \it f \hspace{0.1cm} \rm d \it t.$$ | \rm d \it f \hspace{0.1cm} \rm d \it t.$$ | ||
− | Nach Aufspalten des Exponenten und Vertauschen von Zeit- und Frequenzintegral ergibt sich: | + | *Nach Aufspalten des Exponenten und Vertauschen von Zeit- und Frequenzintegral ergibt sich: |
:$${ {\it \varphi}_x(\tau)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} | :$${ {\it \varphi}_x(\tau)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} | ||
\frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot \int^{+\infty}_{-\infty}X_{\rm | \frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot \int^{+\infty}_{-\infty}X_{\rm | ||
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T}(t)\cdot {\rm e}^{ {\rm j}2 \pi f t } \hspace{0.1cm} \rm d \it | T}(t)\cdot {\rm e}^{ {\rm j}2 \pi f t } \hspace{0.1cm} \rm d \it | ||
t \right] \cdot {\rm e}^{ {\rm j}2 \pi f \tau} \hspace{0.1cm} \rm d \it f.$$ | t \right] \cdot {\rm e}^{ {\rm j}2 \pi f \tau} \hspace{0.1cm} \rm d \it f.$$ | ||
− | Das innere Integral beschreibt das konjugiert–komplexe Spektrum X_{\rm T}^{\star}(f). Daraus folgt weiter: | + | *Das innere Integral beschreibt das konjugiert–komplexe Spektrum X_{\rm T}^{\star}(f). Daraus folgt weiter: |
:$${ {\it \varphi}_x(\tau)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} | :$${ {\it \varphi}_x(\tau)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} | ||
\frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot \int^{+\infty}_{-\infty}\vert X_{\rm | \frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot \int^{+\infty}_{-\infty}\vert X_{\rm | ||
T}(f)\vert^2 \cdot {\rm e}^{ {\rm j}2 \pi f \tau} \hspace{0.1cm} \rm d | T}(f)\vert^2 \cdot {\rm e}^{ {\rm j}2 \pi f \tau} \hspace{0.1cm} \rm d | ||
\it f.$$ | \it f.$$ | ||
− | Ein Vergleich mit dem bei Ergodizität stets gültigen Theorem von [https://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Wiener Wiener] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Jakowlewitsch_Chintschin Chintchine], | + | *Ein Vergleich mit dem bei Ergodizität stets gültigen Theorem von [https://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Wiener Wiener] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Jakowlewitsch_Chintschin Chintchine], |
:$${ {\it \varphi}_x(\tau)} = \int^{+\infty}_{-\infty}{\it \Phi}_x(f) | :$${ {\it \varphi}_x(\tau)} = \int^{+\infty}_{-\infty}{\it \Phi}_x(f) | ||
\cdot {\rm e}^{ {\rm j}2 \pi f \tau} \hspace{0.1cm} \rm d \it f ,$$ | \cdot {\rm e}^{ {\rm j}2 \pi f \tau} \hspace{0.1cm} \rm d \it f ,$$ | ||
− | zeigt die Gültigkeit der oben genannten Beziehung: | + | :zeigt die Gültigkeit der oben genannten Beziehung: |
:$${ {\it \Phi}_x(f)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} | :$${ {\it \Phi}_x(f)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} | ||
− | \frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot \vert X_{\rm T}(f)\vert^2.$$}} | + | \frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot \vert X_{\rm T}(f)\vert^2.$$ |
+ | <div align="right">'''q.e.d.'''</div>}} | ||
==Leistungsdichtespektrum des Filterausgangssignals== | ==Leistungsdichtespektrum des Filterausgangssignals== | ||
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\text{Beweis:} Ausgegangen wird von den drei bereits vorher hergeleiteten Beziehungen: | \text{Beweis:} Ausgegangen wird von den drei bereits vorher hergeleiteten Beziehungen: | ||
:$${ {\it \Phi}_x(f)} =\hspace{-0.1cm} \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.01cm} | :$${ {\it \Phi}_x(f)} =\hspace{-0.1cm} \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.01cm} | ||
− | \frac{1}{ T_{\rm M} }\hspace{-0.05cm}\cdot\hspace{-0.05cm} \vert X_{\rm T}(f)\vert^2, \hspace{0. | + | \frac{1}{ T_{\rm M} }\hspace{-0.05cm}\cdot\hspace{-0.05cm} \vert X_{\rm T}(f)\vert^2, \hspace{0.5cm} |
{ {\it \Phi}_y(f)} =\hspace{-0.1cm} \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.01cm} | { {\it \Phi}_y(f)} =\hspace{-0.1cm} \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.01cm} | ||
− | \frac{1}{ T_{\rm M} }\hspace{-0.05cm}\cdot\hspace{-0.05cm}\vert Y_{\rm T}(f)\vert^2, \hspace{0. | + | \frac{1}{ T_{\rm M} }\hspace{-0.05cm}\cdot\hspace{-0.05cm}\vert Y_{\rm T}(f)\vert^2, \hspace{0.5cm} |
Y_{\rm T}(f) = X_{\rm T}(f) \hspace{-0.05cm}\cdot\hspace{-0.05cm} H(f).$$ | Y_{\rm T}(f) = X_{\rm T}(f) \hspace{-0.05cm}\cdot\hspace{-0.05cm} H(f).$$ | ||
− | Setzt man diese Gleichungen ineinander ein, so erhält man das obige Ergebnis. }} | + | Setzt man diese Gleichungen ineinander ein, so erhält man das obige Ergebnis. |
+ | <div align="right">'''q.e.d.'''</div>}} | ||
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Am Eingang eines Gauß-Tiefpasses mit Frequenzgang | Am Eingang eines Gauß-Tiefpasses mit Frequenzgang | ||
:H(f) = {\rm e}^{- \pi \hspace{0.03cm}\cdot \hspace{0.03cm}(f/\Delta f)^2} | :H(f) = {\rm e}^{- \pi \hspace{0.03cm}\cdot \hspace{0.03cm}(f/\Delta f)^2} | ||
− | liegt weißes Rauschen x(t) mit der Rauschleistungsdichte { {\it \Phi}_x(f)} =N_0/2 (zweiseitige Darstellung | + | liegt weißes Rauschen x(t) mit der Rauschleistungsdichte { {\it \Phi}_x(f)} =N_0/2 (zweiseitige Darstellung) an. |
Dann gilt für das Leistungsdichtespektrum des Ausgangssignals: | Dann gilt für das Leistungsdichtespektrum des Ausgangssignals: | ||
:$${ {\it \Phi}_y(f)} = \frac {N_0}{2} \cdot {\rm e}^{- 2 \pi \hspace{0.03cm}\cdot \hspace{0.03cm}(f/\Delta | :$${ {\it \Phi}_y(f)} = \frac {N_0}{2} \cdot {\rm e}^{- 2 \pi \hspace{0.03cm}\cdot \hspace{0.03cm}(f/\Delta | ||
f)^2}.$$ | f)^2}.$$ | ||
− | Die Grafik zeigt die Signale und Leistungsdichtespektren am Ein- und Ausgang des Filters. Anmerkungen: | + | Die Grafik zeigt die Signale und Leistungsdichtespektren am Ein- und Ausgang des Filters. |
− | *Das | + | <br clear=all> |
+ | ''Anmerkungen:'' | ||
+ | *Das Signal x(t) kann – streng genommen – gar nicht gezeichnet werden, da es eine unendlich große Leistung besitzt ⇒ Integral über {\it Φ}_x(f) von -\infty bis +\infty. | ||
*Das Ausgangssignal y(t) ist niederfrequenter als x(t) und besitzt eine endliche Leistung entsprechend dem Integral über {\it Φ}_y(f).}} | *Das Ausgangssignal y(t) ist niederfrequenter als x(t) und besitzt eine endliche Leistung entsprechend dem Integral über {\it Φ}_y(f).}} | ||
Line 135: | Line 138: | ||
{{BlaueBox|TEXT= | {{BlaueBox|TEXT= | ||
− | \text{Satz:} Für die zugehörige Autokorrelationsfunktion (AKF) erhält man dann entsprechend den | + | \text{Satz:} Für die zugehörige Autokorrelationsfunktion (AKF) erhält man dann entsprechend den [[Signaldarstellung/Gesetzmäßigkeiten_der_Fouriertransformation|Gesetzmäßigkeiten der Fouriertransformation]] und durch Anwendung des [[Signaldarstellung/Faltungssatz_und_Faltungsoperation#Faltung_im_Zeitbereich|Faltungssatzes]]: |
:$${ {\it \varphi}_y(\tau)} = { {\it \varphi}_x(\tau)} \ast h(\tau)\ast h(- | :$${ {\it \varphi}_y(\tau)} = { {\it \varphi}_x(\tau)} \ast h(\tau)\ast h(- | ||
\tau).$$}} | \tau).$$}} | ||
Line 149: | Line 152: | ||
{{GraueBox|TEXT= | {{GraueBox|TEXT= | ||
\text{Beispiel 2:} | \text{Beispiel 2:} | ||
− | Wir betrachten nochmals das | + | Wir betrachten nochmals das gleiche Szenario wie im $\text{Beispiel 1}$, aber diesmal im Zeitbereich: |
*weißes Rauschen { {\it \Phi}_x(f)} =N_0/2, | *weißes Rauschen { {\it \Phi}_x(f)} =N_0/2, | ||
*gaußförmiges Filter: | *gaußförmiges Filter: | ||
− | :$$H(f) = {\rm e}^{- \pi \hspace{0.03cm}\cdot \hspace{0.03cm}(f/\Delta f)^2}\hspace{0. | + | :$$H(f) = {\rm e}^{- \pi \hspace{0.03cm}\cdot \hspace{0.03cm}(f/\Delta f)^2}\hspace{0.3cm}\Rightarrow \hspace{0.3cm} |
h(t) = \Delta f \cdot {\rm e}^{- \pi \hspace{0.03cm}\cdot \hspace{0.03cm}(\Delta f \hspace{0.03cm}\cdot \hspace{0.03cm}t)^2}.$$ | h(t) = \Delta f \cdot {\rm e}^{- \pi \hspace{0.03cm}\cdot \hspace{0.03cm}(\Delta f \hspace{0.03cm}\cdot \hspace{0.03cm}t)^2}.$$ | ||
Man erkennt aus dieser Darstellung: | Man erkennt aus dieser Darstellung: | ||
*Die AKF des Eingangssignals ist nun eine Diracfunktion mit dem Gewicht N_0/2. | *Die AKF des Eingangssignals ist nun eine Diracfunktion mit dem Gewicht N_0/2. | ||
− | *Durch zweimalige Faltung mit der (hier ebenfalls gaußförmigen) Impulsantwort h(t) bzw. h(–t) erhält man die AKF φ_y(τ) des Ausgangssignals. | + | *Durch zweimalige Faltung mit der (hier ebenfalls gaußförmigen) Impulsantwort h(t) bzw. h(–t) erhält man die AKF φ_y(τ) des Ausgangssignals. |
+ | *Auch die AKF φ_y(τ) des Ausgangssignals ist also gaußförmig. | ||
*Der AKF–Wert bei τ = 0 ist identisch mit der Fläche des Leistungsdichtespektrums {\it Φ}_y(f) und kennzeichnet die Signalleistung (Varianz) σ_y^2. | *Der AKF–Wert bei τ = 0 ist identisch mit der Fläche des Leistungsdichtespektrums {\it Φ}_y(f) und kennzeichnet die Signalleistung (Varianz) σ_y^2. | ||
*Dagegen ergibt die Fläche unter φ_y(τ) den LDS-Wert {\it Φ}_y(f = \rm 0), also N_0/2. }} | *Dagegen ergibt die Fläche unter φ_y(τ) den LDS-Wert {\it Φ}_y(f = \rm 0), also N_0/2. }} | ||
Line 163: | Line 167: | ||
==Kreuzkorrelationsfunktion zwischen Eingangs- und Ausgangssignal== | ==Kreuzkorrelationsfunktion zwischen Eingangs- und Ausgangssignal== | ||
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− | [[File:P_ID469__Sto_T_5_1_S5_Ganz_neu.png |frame| Zur | + | [[File:P_ID469__Sto_T_5_1_S5_Ganz_neu.png |frame| Zur Berechnung der Kreuzkorrelationsfunktion |right]] |
Wir betrachten wieder ein Filter mit dem Frequenzgang H(f) und der Impulsantwort h(t). Weiter gilt: | Wir betrachten wieder ein Filter mit dem Frequenzgang H(f) und der Impulsantwort h(t). Weiter gilt: | ||
− | *Das stochastische Eingangssignal x(t) ist eine Musterfunktion des ergodischen Zufallsprozesses \{x(t)\}. Die zugehörige Autokorrelationsfunktion (AKF) am Filtereingang ist somit φ_x(τ), während das | + | *Das stochastische Eingangssignal x(t) ist eine Musterfunktion des ergodischen Zufallsprozesses \{x(t)\}. |
+ | *Die zugehörige Autokorrelationsfunktion (AKF) am Filtereingang ist somit φ_x(τ), während das Leistungsdichtespektrum (LDS) mit {\it Φ}_x(f) bezeichnet wird. | ||
*Die entsprechenden Beschreibungsgrößen des ergodischen Zufallsprozesses \{y(t)\} am Filterausgang sind die Musterfunktion y(t), die Autokorrelationsfunktion φ_y(τ) sowie das Leitsungsdichtespektrum {\it Φ}_y(f). | *Die entsprechenden Beschreibungsgrößen des ergodischen Zufallsprozesses \{y(t)\} am Filterausgang sind die Musterfunktion y(t), die Autokorrelationsfunktion φ_y(τ) sowie das Leitsungsdichtespektrum {\it Φ}_y(f). | ||
<br clear=all> | <br clear=all> | ||
Line 177: | Line 182: | ||
\text{Beweis:} Allgemein gilt für die Kreuzkorrelationsfunktion zwischen zwei Signalen x(t) und y(t): | \text{Beweis:} Allgemein gilt für die Kreuzkorrelationsfunktion zwischen zwei Signalen x(t) und y(t): | ||
:{ {\it \varphi}_{xy}(\tau)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm}\frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot\int^{+T_{\rm M}/2}_{-T_{\rm M}/2}x(t)\cdot y(t + \tau)\hspace{0.1cm} \rm d \it t. | :{ {\it \varphi}_{xy}(\tau)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm}\frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot\int^{+T_{\rm M}/2}_{-T_{\rm M}/2}x(t)\cdot y(t + \tau)\hspace{0.1cm} \rm d \it t. | ||
− | Mit der allgemeingültigen Beziehung y(t) = h(t) \ast x(t) und der formalen Integrationsvariablen θ lässt sich hierfür auch schreiben: | + | *Mit der allgemeingültigen Beziehung y(t) = h(t) \ast x(t) und der formalen Integrationsvariablen θ lässt sich hierfür auch schreiben: |
:{ {\it \varphi}_{xy}(\tau)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm}\frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot\int^{+T_{\rm M}/2}_{-T_{\rm M}/2}x(t)\cdot \int^{+\infty}_{-\infty} h(\theta) \cdot x(t + \tau - \theta)\hspace{0.1cm}{\rm d}\theta\hspace{0.1cm}{\rm d} \it t. | :{ {\it \varphi}_{xy}(\tau)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm}\frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot\int^{+T_{\rm M}/2}_{-T_{\rm M}/2}x(t)\cdot \int^{+\infty}_{-\infty} h(\theta) \cdot x(t + \tau - \theta)\hspace{0.1cm}{\rm d}\theta\hspace{0.1cm}{\rm d} \it t. | ||
− | Durch Vertauschen der beiden Integrale und Hereinziehen der Grenzwertbildung erhält man: | + | *Durch Vertauschen der beiden Integrale und Hereinziehen der Grenzwertbildung erhält man: |
:$${ {\it \varphi}_{xy}(\tau)} = \int^{+\infty}_{-\infty} | :$${ {\it \varphi}_{xy}(\tau)} = \int^{+\infty}_{-\infty} | ||
h(\theta) \cdot \left[ \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} | h(\theta) \cdot \left[ \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} | ||
Line 185: | Line 190: | ||
M}/2}x(t)\cdot x(t + \tau - \theta)\hspace{0.1cm} | M}/2}x(t)\cdot x(t + \tau - \theta)\hspace{0.1cm} | ||
\hspace{0.1cm} {\rm d} t \right]{\rm d}\theta.$$ | \hspace{0.1cm} {\rm d} t \right]{\rm d}\theta.$$ | ||
− | Der Ausdruck in den eckigen Klammern ergibt den AKF-Wert am Eingang zum Zeitpunkt τ - θ: | + | *Der Ausdruck in den eckigen Klammern ergibt den AKF-Wert am Eingang zum Zeitpunkt τ - θ: |
:{ {\it \varphi}_{xy}(\tau)} = \int^{+\infty}_{-\infty}h(\theta) \cdot \varphi_x(\tau - \theta)\hspace{0.1cm}\hspace{0.1cm} {\rm d}\theta = h(\tau)\ast { {\it \varphi}_x(\tau)} . | :{ {\it \varphi}_{xy}(\tau)} = \int^{+\infty}_{-\infty}h(\theta) \cdot \varphi_x(\tau - \theta)\hspace{0.1cm}\hspace{0.1cm} {\rm d}\theta = h(\tau)\ast { {\it \varphi}_x(\tau)} . | ||
− | Das verbleibende Integral beschreibt aber die Faltungsoperation in ausführlicher Schreibweise. }} | + | *Das verbleibende Integral beschreibt aber die Faltungsoperation in ausführlicher Schreibweise. |
+ | <div align="right">'''q.e.d.'''</div>}} | ||
Revision as of 07:56, 23 August 2018
Contents
# ÜBERBLICK ZUM FÜNFTEN HAUPTKAPITEL #
Dieses Kapitel beschreibt den Einfluss eines Filters auf die Autokorrelationsfunktion (AKF) und das Leistungsdichtespektrum (LDS) stochastischer Signale.
Im Einzelnen werden behandelt:
- die Berechnung von AKF und LDS am Filterausgang (Stochastische Systemtheorie ),
- die Struktur und die Darstellung Digitaler Filter (nichrekursiv und rekursiv),
- die Dimensionierung der Filterkoeffizienten für eine vorgegebene AKF,
- die Bedeutung des Matched-Filters für Nachrichtensysteme (SNR-Maximierung),
- die Eigenschaften des Wiener-Kolmogorow-Filters zur Signalrekonstruktion.
Weitere Informationen zum Thema „Filterung stochastischer Signale” sowie Aufgaben, Simulationen und Programmierübungen finden Sie im
- Kapitel 10: Filterung stochastischer Signale (Programm fil)
- Kapitel 11: Optimale Filter (Programm ofi)
des Praktikums „Simulationsmethoden in der Nachrichtentechnik”. Diese (ehemalige) LNT-Lehrveranstaltung an der TU München basiert auf
- dem Lehrsoftwarepaket LNTsim ⇒ Link verweist auf die ZIP-Version des Programms, und
- der Praktikumsanleitung - Teil B ⇒ Link verweist auf die PDF-Version mit Kapitel 10: Seite 229-248 und Kapitel 11: Seite 249-270.
Problemstellung
Wir betrachten wie im Buch Lineare zeitinvariante Systeme die rechts skizzierte Anordnung, wobei das System
- sowohl durch die Impulsantwort h(t)
- als auch durch seinen Frequenzgang H(f)
eindeutig beschrieben ist. Der Zusammenhang zwischen diesen Beschreibungsgrößen im Zeit– und Frequenzbereich ist durch die Fouriertransformation gegeben.
Legt man an den Eingang das Signal x(t) an und bezeichnet das Ausgangssignal mit y(t), so liefert die klassische Systemtheorie folgende Aussagen:
- Das Ausgangssignal y(t) ergibt sich aus der Faltung zwischen dem Eingangssignal x(t) und der Impulsantwort h(t). Die folgende Gleichung gilt für deterministische und stochastische Signale gleichermaßen:
- y(t) = x(t) \ast h(t) = \int_{-\infty}^{+\infty} x(\tau)\cdot h ( t - \tau) \,\,{\rm d}\tau.
- Bei deterministischen Signalen geht man meist den Umweg über die Spektralfunktionen. Das Spektrum X(f) ist die Fouriertransformierte von x(t). Die Multiplikation mit dem Frequenzgang H(f) führt zum Ausgangsspektrum Y(f). Daraus lässt sich das Signal y(t) durch Fourierrücktransformation gewinnen.
- Bei stochastischen Signalen versagt diese Vorgehensweise, da dann die Zeitfunktionen x(t) und y(t) nicht für alle Zeiten von –∞ bis +∞ vorhersagbar sind und somit die dazugehörigen Amplitudenspektren X(f) und Y(f) gar nicht existieren.
- In diesem Fall muss auf die im letzten Kapitel definierten Leistungsdichtespektren übergegangen werden.
Amplituden- und Leistungsdichtespektrum
Wir betrachten einen ergodischen Zufallsprozess \{x(t)\}, dessen Autokorrelationsfunktion φ_x(τ) als bekannt vorausgesetzt wird. Das Leistungsdichtespektrum {\it Φ}_x(f) ist dann über die Fouriertransformation ebenfalls eindeutig bestimmt und es gelten die folgenden Aussagen:
- Das Leistungsdichtespektrum {\it Φ}_x(f) kann – ebenso wie die Autokorrelationsfunktion φ_x(τ) – für jede einzelne Musterfunktion des stationären und ergodischen Zufallsprozesses \{x(t)\} angegeben werden, auch wenn der spezifische Verlauf von x(t) explizit nicht bekannt ist.
- Das Amplitudenspektrum X(f) ist dagegen undefiniert, da bei Kenntnis der Spektralfunktion X(f) auch die gesamte Zeitfunktion x(t) von –∞ bis +∞ über die Fourierrücktransformation bekannt sein müsste, was bei einem stochastischen Signal eindeutig nicht der Fall sein kann.
- Ist entsprechend der nebenstehenden Skizze ein Zeitausschnitt der endlichen Zeitdauer T_{\rm M} bekannt, so kann für diesen natürlich wieder die Fouriertransformation angewendet werden.
\text{Satz:} Zwischen dem Leistungsdichtespektrum {\it Φ}_x(f) des zeitlich unendlich ausgedehnten Zufallssignals x(t) und dem Amplitudenspektrum X_{\rm T}(f) des begrenzten Zeitausschnittes x_{\rm T}(t) besteht der folgende Zusammenhang:
- { {\it \Phi}_x(f)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} \frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot \vert X_{\rm T}(f)\vert ^2.
\text{Beweis:} Vorne wurde die Autokorrelationsfunktion eines ergodischen Prozesses mit der Musterfunktion x(t) wie folgt angegeben:
- { {\it \varphi}_x(\tau)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} \frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot\int^{+T_{\rm M}/2}_{-T_{\rm M}/2}x(t)\cdot x(t + \tau)\hspace{0.1cm} \rm d \it t.
- Es ist zulässig, die zeitlich unbegrenzte Funktion x(t) durch die auf den Zeitbereich -T_{\rm M}/2 bis +T_{\rm M}/2 begrenzte Funktion x_{\rm T}(t) zu ersetzen. x_{\rm T}(t) korrespondiert mit dem Spektrum X_{\rm T}(f), und man erhält durch Anwendung des ersten Fourierintegrals und des Verschiebungssatzes:
- { {\it \varphi}_x(\tau)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} \frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot \int^{+T_{\rm M}/2}_{-T_{\rm M}/2}x_{\rm T}(t)\cdot \int^{+\infty}_{-\infty}X_{\rm T}(f)\cdot {\rm e}^{ {\rm j}2 \pi f ( t + \tau) } \hspace{0.1cm} \rm d \it f \hspace{0.1cm} \rm d \it t.
- Nach Aufspalten des Exponenten und Vertauschen von Zeit- und Frequenzintegral ergibt sich:
- { {\it \varphi}_x(\tau)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} \frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot \int^{+\infty}_{-\infty}X_{\rm T}(f)\cdot \left[ \int^{+T_{\rm M}/2}_{-T_{\rm M}/2}x_{\rm T}(t)\cdot {\rm e}^{ {\rm j}2 \pi f t } \hspace{0.1cm} \rm d \it t \right] \cdot {\rm e}^{ {\rm j}2 \pi f \tau} \hspace{0.1cm} \rm d \it f.
- Das innere Integral beschreibt das konjugiert–komplexe Spektrum X_{\rm T}^{\star}(f). Daraus folgt weiter:
- { {\it \varphi}_x(\tau)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} \frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot \int^{+\infty}_{-\infty}\vert X_{\rm T}(f)\vert^2 \cdot {\rm e}^{ {\rm j}2 \pi f \tau} \hspace{0.1cm} \rm d \it f.
- Ein Vergleich mit dem bei Ergodizität stets gültigen Theorem von Wiener und Chintchine,
- { {\it \varphi}_x(\tau)} = \int^{+\infty}_{-\infty}{\it \Phi}_x(f) \cdot {\rm e}^{ {\rm j}2 \pi f \tau} \hspace{0.1cm} \rm d \it f ,
- zeigt die Gültigkeit der oben genannten Beziehung:
- { {\it \Phi}_x(f)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} \frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot \vert X_{\rm T}(f)\vert^2.
Leistungsdichtespektrum des Filterausgangssignals
Kombiniert man die in den beiden letzten Abschnitten gemachten Aussagen, so kommt man zu folgendem wichtigen Ergebnis:
\text{Satz:} Das Leistungsdichtespektrum (LDS) am Ausgang eines linearen zeitinvarianten Systems mit dem Frequenzgang H(f) ergibt sich als das Produkt aus dem Eingangs–LDS {\it Φ}_x(f) und der Leistungsübertragungsfunktion \vert H(f)\vert ^2.
- { {\it \Phi}_y(f)} = { {\it \Phi}_x(f)} \cdot \vert H(f)\vert ^2.
\text{Beweis:} Ausgegangen wird von den drei bereits vorher hergeleiteten Beziehungen:
- { {\it \Phi}_x(f)} =\hspace{-0.1cm} \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.01cm} \frac{1}{ T_{\rm M} }\hspace{-0.05cm}\cdot\hspace{-0.05cm} \vert X_{\rm T}(f)\vert^2, \hspace{0.5cm} { {\it \Phi}_y(f)} =\hspace{-0.1cm} \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.01cm} \frac{1}{ T_{\rm M} }\hspace{-0.05cm}\cdot\hspace{-0.05cm}\vert Y_{\rm T}(f)\vert^2, \hspace{0.5cm} Y_{\rm T}(f) = X_{\rm T}(f) \hspace{-0.05cm}\cdot\hspace{-0.05cm} H(f).
Setzt man diese Gleichungen ineinander ein, so erhält man das obige Ergebnis.
Das folgende Beispiel verdeutlicht den Zusammenhang bei Weißem Rauschen.
\text{Beispiel 1:} Am Eingang eines Gauß-Tiefpasses mit Frequenzgang
- H(f) = {\rm e}^{- \pi \hspace{0.03cm}\cdot \hspace{0.03cm}(f/\Delta f)^2}
liegt weißes Rauschen x(t) mit der Rauschleistungsdichte { {\it \Phi}_x(f)} =N_0/2 (zweiseitige Darstellung) an.
Dann gilt für das Leistungsdichtespektrum des Ausgangssignals:
- { {\it \Phi}_y(f)} = \frac {N_0}{2} \cdot {\rm e}^{- 2 \pi \hspace{0.03cm}\cdot \hspace{0.03cm}(f/\Delta f)^2}.
Die Grafik zeigt die Signale und Leistungsdichtespektren am Ein- und Ausgang des Filters.
Anmerkungen:
- Das Signal x(t) kann – streng genommen – gar nicht gezeichnet werden, da es eine unendlich große Leistung besitzt ⇒ Integral über {\it Φ}_x(f) von -\infty bis +\infty.
- Das Ausgangssignal y(t) ist niederfrequenter als x(t) und besitzt eine endliche Leistung entsprechend dem Integral über {\it Φ}_y(f).
Autokorrelationsfunktion des Filterausgangssignals
Das berechnete Leistungsdichtespektrum (LDS) kann auch wie folgt geschrieben werden:
- {{\it \Phi}_y(f)} = {{\it \Phi}_x(f)} \cdot H(f) \cdot H^{\star}(f)
\text{Satz:} Für die zugehörige Autokorrelationsfunktion (AKF) erhält man dann entsprechend den Gesetzmäßigkeiten der Fouriertransformation und durch Anwendung des Faltungssatzes:
- { {\it \varphi}_y(\tau)} = { {\it \varphi}_x(\tau)} \ast h(\tau)\ast h(- \tau).
Beim Übergang vom Spektral– in den Zeitbereich ist zu beachten:
- Einzusetzen sind jeweils die Fourierrücktransformierten, nämlich
- {{\it \varphi}_y(\tau)} \circ\hspace{0.05cm}\!\!\!-\!\!\!-\!\!\!-\!\!\bullet\,{{\it \Phi}_y(f)}, \hspace{0.5cm}{{\it \varphi}_x(\tau)} \circ\hspace{0.05cm}\!\!\!-\!\!\!-\!\!\!-\!\!\!\bullet\,{{\it \Phi}_x(f)}, \hspace{0.5cm}{h(\tau)} \circ\hspace{0.05cm}\!\!\!-\!\!\!-\!\!\!-\!\!\bullet\,{H(f)}, \hspace{0.5cm}{h(-\tau)} \circ\hspace{0.05cm}\!\!\!-\!\!\!-\!\!\!-\!\!\!\bullet\,{H^{\star}(f)}
- Zudem wird aus jeder Multiplikation eine Faltungsoperation.
\text{Beispiel 2:} Wir betrachten nochmals das gleiche Szenario wie im \text{Beispiel 1}, aber diesmal im Zeitbereich:
- weißes Rauschen { {\it \Phi}_x(f)} =N_0/2,
- gaußförmiges Filter:
- H(f) = {\rm e}^{- \pi \hspace{0.03cm}\cdot \hspace{0.03cm}(f/\Delta f)^2}\hspace{0.3cm}\Rightarrow \hspace{0.3cm} h(t) = \Delta f \cdot {\rm e}^{- \pi \hspace{0.03cm}\cdot \hspace{0.03cm}(\Delta f \hspace{0.03cm}\cdot \hspace{0.03cm}t)^2}.
Man erkennt aus dieser Darstellung:
- Die AKF des Eingangssignals ist nun eine Diracfunktion mit dem Gewicht N_0/2.
- Durch zweimalige Faltung mit der (hier ebenfalls gaußförmigen) Impulsantwort h(t) bzw. h(–t) erhält man die AKF φ_y(τ) des Ausgangssignals.
- Auch die AKF φ_y(τ) des Ausgangssignals ist also gaußförmig.
- Der AKF–Wert bei τ = 0 ist identisch mit der Fläche des Leistungsdichtespektrums {\it Φ}_y(f) und kennzeichnet die Signalleistung (Varianz) σ_y^2.
- Dagegen ergibt die Fläche unter φ_y(τ) den LDS-Wert {\it Φ}_y(f = \rm 0), also N_0/2.
Kreuzkorrelationsfunktion zwischen Eingangs- und Ausgangssignal
Wir betrachten wieder ein Filter mit dem Frequenzgang H(f) und der Impulsantwort h(t). Weiter gilt:
- Das stochastische Eingangssignal x(t) ist eine Musterfunktion des ergodischen Zufallsprozesses \{x(t)\}.
- Die zugehörige Autokorrelationsfunktion (AKF) am Filtereingang ist somit φ_x(τ), während das Leistungsdichtespektrum (LDS) mit {\it Φ}_x(f) bezeichnet wird.
- Die entsprechenden Beschreibungsgrößen des ergodischen Zufallsprozesses \{y(t)\} am Filterausgang sind die Musterfunktion y(t), die Autokorrelationsfunktion φ_y(τ) sowie das Leitsungsdichtespektrum {\it Φ}_y(f).
\text{Satz:} Für die Kreuzkorrelationsfunktion (KKF) zwischen dem Eingangs– und dem Ausgangssignal gilt:
- { {\it \varphi}_{xy}(\tau)} = h(\tau)\ast { {\it \varphi}_x(\tau)} .
Hierbei bezeichnet h(τ) ist die Impulsantwort des Filters (mit der Zeitvariablen τ anstelle von t).
\text{Beweis:} Allgemein gilt für die Kreuzkorrelationsfunktion zwischen zwei Signalen x(t) und y(t):
- { {\it \varphi}_{xy}(\tau)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm}\frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot\int^{+T_{\rm M}/2}_{-T_{\rm M}/2}x(t)\cdot y(t + \tau)\hspace{0.1cm} \rm d \it t.
- Mit der allgemeingültigen Beziehung y(t) = h(t) \ast x(t) und der formalen Integrationsvariablen θ lässt sich hierfür auch schreiben:
- { {\it \varphi}_{xy}(\tau)} = \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm}\frac{1}{ T_{\rm M} }\cdot\int^{+T_{\rm M}/2}_{-T_{\rm M}/2}x(t)\cdot \int^{+\infty}_{-\infty} h(\theta) \cdot x(t + \tau - \theta)\hspace{0.1cm}{\rm d}\theta\hspace{0.1cm}{\rm d} \it t.
- Durch Vertauschen der beiden Integrale und Hereinziehen der Grenzwertbildung erhält man:
- { {\it \varphi}_{xy}(\tau)} = \int^{+\infty}_{-\infty} h(\theta) \cdot \left[ \lim_{T_{\rm M}\to\infty}\hspace{0.2cm} \frac{1}{ T_{\rm M} } \cdot\int^{+T_{\rm M}/2}_{-T_{\rm M}/2}x(t)\cdot x(t + \tau - \theta)\hspace{0.1cm} \hspace{0.1cm} {\rm d} t \right]{\rm d}\theta.
- Der Ausdruck in den eckigen Klammern ergibt den AKF-Wert am Eingang zum Zeitpunkt τ - θ:
- { {\it \varphi}_{xy}(\tau)} = \int^{+\infty}_{-\infty}h(\theta) \cdot \varphi_x(\tau - \theta)\hspace{0.1cm}\hspace{0.1cm} {\rm d}\theta = h(\tau)\ast { {\it \varphi}_x(\tau)} .
- Das verbleibende Integral beschreibt aber die Faltungsoperation in ausführlicher Schreibweise.
\text{Fazit:} Im Frequenzbereich lautet die entsprechende Gleichung:
- { {\it \Phi}_{xy}(f)} = H(f)\cdot{ {\it \Phi}_x(f)} .
Die beiden Gleichungen zeigen, dass der Filterfrequenzgang H(f) aus einer Messung mit stochastischer Anregung vollständig – also sowohl der Betrag als auch die Phase – berechnet werden kann, wenn folgende Beschreibungsgrößen ermittelt werden:
- die statistischen Kenngrößen am Eingang, entweder die AKF φ_x(τ) oder das LDS {\it Φ}_x(f),
- sowie die Kreuzkorrelationsfunktion φ_{xy}(τ) bzw. deren Fouriertransformierte {\it Φ}_{xy}(f).
Aufgaben zum Kapitel
Aufgabe 5.1: Gaußsche AKF und Gaußtiefpass
Aufgabe 5.1Z: \cos^2-Rauschbegrenzung
Aufgabe 5.2: Bestimmung des Frequenzgangs