In diesem Applet werden binäre $(M=2)$ und ternäre $(M=3)$ Kanalmodelle ohne Gedächtnis betrachtet mit jeweils $M$ Eingängen $X$ und $M$ Ausgängen $Y$. Ein solches Nachrichtensystem ist durch die Wahrscheinlichkeitsfunktion $P_X(X)$ und die Matrix $P_{\hspace{0.01cm}Y\hspace{0.03cm} \vert \hspace{0.01cm}X}(Y\hspace{0.03cm} \vert \hspace{0.03cm} X)$ der Übergangswahrscheinlichkeiten vollständig bestimmt.
Für diese binären bzw. ternären Systeme werden folgende informationstheoretische Beschreibungsgrößen hergeleitet und verdeutlicht:
*die ''Quellenentropie'' $H(X)$ und die ''Sinkenentropie'' $H(Y)$,
*die ''Äquivokation'' („Rückschlussentropie”) $H(X|Y)$ und die ''Irrelevanz'' („Streuentropie”) $H(Y|X)$,
*die ''Verbundentropie'' $H(XY)$ sowie die ''Transinformation'' (englisch: ''Mutual Information'') $I(X; Y)$,
*die ''Kanalkapazität'' als die entscheidende Kenngröße digitaler Kanalmodelle ohne Gedächtnis:
Diese informationstheoretische Größen können sowohl in analytische geschlossener Form berechnet oder durch Auswertung von Quellen– und Sinkensymbolfolge simulativ ermittelt werden.
===Erwartungswerte von 2D–Zufallsgrößen und Korrelationskoeffizient===
<br>
Ein Sonderfall der statistischen Abhängigkeit ist die ''Korrelation''.
Wir betrachten eine zweidimensionale $\rm (2D)$–Zufallsgröße $(XY)$ mit der Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion $\rm (WDF)$ $f_{XY}(x, y)$, wobei zwischen den Einzelkomponenten $X$ und $Y$ statistische Abhängigkeiten bestehen. Ein Sonderfall ist die ''Korrelation''.
{{BlaueBox|TEXT=
{{BlaueBox|TEXT=
$\text{Definition:}$ Unter '''Korrelation''' versteht man eine ''lineare Abhängigkeit'' zwischen den Einzelkomponenten $x$ und $y$.
$\text{Definition:}$ Unter '''Korrelation''' versteht man eine ''lineare Abhängigkeit'' zwischen den Einzelkomponenten $X$ und $Y$.
*Korrelierte Zufallsgrößen sind damit stets auch statistisch abhängig.
*Korrelierte Zufallsgrößen sind damit stets auch statistisch abhängig.
*Aber nicht jede statistische Abhängigkeit bedeutet gleichzeitig eine Korrelation.}}
*Aber nicht jede statistische Abhängigkeit bedeutet gleichzeitig eine Korrelation.}}
Zur quantitativen Erfassung der Korrelation verwendet man verschiedene Erwartungswerte der 2D-Zufallsgröße $(x, y)$.
Für das Folgende setzen wir voraus, dass $X$ und $Y$ mittelwertfrei seien ${\rm E}\big [ X \big ] = {\rm E}\big [ Y \big ]=0$. Zur Beschreibung der Korrelation genügen dann folgende Erwartungswerte:
* die '''Varianzen''' in $X$– bzw. in $Y$–Richtung:
*Das Ergebnis $\mu_{XY} = 0$ ist aber auch bei statistisch abhängigen Komponenten $X$ und $Y$ möglich, nämlich dann, wenn diese unkorreliert, also ''linear unabhängig'' sind.
*Die statistische Abhängigkeit ist dann nicht von erster, sondern von höherer Ordnung, zum Beispiel entsprechend der Gleichung $Y=X^2.$
{{BlaueBox|TEXT=
$\text{Definition:}$ Für die (nichtzentrierten) '''Momente''' gilt die Beziehung:
Die beiden linearen Mittelwerte sind somit $m_x = m_{10}$ und $m_y = m_{01}.$ }}
Man spricht von '''vollständiger Korrelation''', wenn die (deterministische) Abhängigkeit zwischen $X$ und $Y$ durch die Gleichung $Y = K · X$ ausgedrückt wird. Dann ergibt sich für die Kovarianz:
In dieser allgemein gültigen Definitionsgleichung sind die Varianzen $σ_x^2$ und $σ_y^2$ der zwei Einzelkomponenten durch $\mu_{20}$ bzw. $\mu_{02}$ mit enthalten. }}
Deshalb verwendet man häufig als Beschreibungsgröße anstelle der Kovarianz den so genannten Korrelationskoeffizienten.
{{BlaueBox|TEXT=
{{BlaueBox|TEXT=
$\text{Definition:}$ Besondere Bedeutung besitzt die '''Kovarianz''' $(k = l = 1)$, die ein Maß für die ''lineare statistische Abhängigkeit'' zwischen den Zufallsgrößen $x$ und $y$ ist:
$\text{Definition:}$ Der '''Korrelationskoeffizient''' ist der Quotient aus der Kovarianz $\mu_{XY}$ und dem Produkt der Effektivwerte $σ_X$ und $σ_Y$ der beiden Komponenten:
Im Folgenden bezeichnen wir die Kovarianz $\mu_{11}$ teilweise auch mit $\mu_{xy}$, falls sich die Kovarianz auf die Zufallsgrößen $x$ und $y$ bezieht.}}
''Anmerkungen:''
Der Korrelationskoeffizient $\rho_{XY}$ weist folgende Eigenschaften auf:
*Die Kovarianz $\mu_{11}=\mu_{xy}$ hängt wie folgt mit dem nichtzentrierten Moment $m_{11} = m_{xy} = {\rm E}\big[x · y\big]$ zusammen:
*Aufgrund der Normierung gilt stets $-1 \le ρ_{XY} ≤ +1$.
:$$\mu_{xy} = m_{xy} -m_{x }\cdot m_{y}.$$
*Sind die beiden Zufallsgrößen $x$ und $y$ unkorreliert, so ist $ρ_{XY} = 0$.
*Ein positiver Korrelationskoeffizient bedeutet, dass bei größerem $X$–Wert im statistischen Mittel auch $Y$ größer ist als bei kleinerem $X$.
*Dagegen drückt ein negativer Korrelationskoeffizient aus, dass $Y$ mit steigendem $X$ im Mittel kleiner wird.
*Diese Gleichung ist für numerische Auswertungen enorm vorteilhaft, da $m_{xy}$, $m_x$ und $m_y$ aus den Folgen $〈x_v〉$ und $〈y_v〉$ in einem einzigen Durchlauf gefunden werden können.
*Würde man dagegen die Kovarianz $\mu_{xy}$ entsprechend der oberen Definitionsgleichung berechnen, so müsste man in einem ersten Durchlauf die Mittelwerte $m_x$ und $m_y$ ermitteln und könnte dann erst in einem zweiten Durchlauf den Erwartungswert ${\rm E}\big[(x - m_x) · (y - m_y)\big]$ berechnen.
[[File:Korrelation_1a.png|right|frame| 2D-WDF $f_{XY}(x, y)$ sowie die zugehörigen Randwahrscheinlichkeitsdichten $f_{X}(x)$ und $f_{Y}(y)$]]
$\text{Beispiel 4:}$ In den beiden ersten Zeilen der Tabelle sind die jeweils ersten Elemente zweier Zufallsfolgen $〈x_ν〉$ und $〈y_ν〉$ eingetragen. In der letzten Zeile sind die jeweiligen Produkte $x_ν · y_ν$ angegeben.
$\text{Beispiel 1:}$ Die 2D–Zufallsgröße $XY$ sei diskret und kann nur vier verschiedene Werte annehmen:
*$(+0.5,\ 0)$ sowie $(-0.5,\ 0)$ jeweils mit der Wahrscheinlichkeit $0.3$,
*Durch Mittelung über die jeweils zehn Folgenelemente erhält man
*$(+1,\ +1)$ sowie $(+1,\ -1)$ jeweils mit der Wahrscheinlichkeit $0.2$.
:$$m_x =0.5,\ \ m_y = 1, \ \ m_{xy} = 0.69.$$
*Daraus ergibt sich direkt der Wert für die Kovarianz:
:$$\mu_{xy} = 0.69 - 0.5 · 1 = 0.19.$$
<br clear=all>
Ohne Kenntnis der Gleichung $\mu_{xy} = m_{xy} - m_x · m_y$ hätte man zunächst im ersten Durchlauf die Mittelwerte $m_x$ und $m_y$ ermitteln müssen, <br>um dann in einem zweiten Durchlauf die Kovarianz $\mu_{xy}$ als Erwartungswert des Produkts der mittelwertfreien Größen bestimmen zu können.}}
===Korrelationskoeffizient===
<br>
Bei statististischer Unabhängigkeit der beiden Komponenten $x$ und $y$ ist die Kovarianz $\mu_{xy} \equiv 0$. Dieser Fall wurde bereits im $\text{Beispiel 2}$ auf der Seite [[Stochastische_Signaltheorie/Zweidimensionale_Zufallsgrößen#WDF_und_VTF_bei_statistisch_unabh.C3.A4ngigen_Komponenten|WDF und VTF bei statistisch unabhängigen Komponenten]] betrachtet.
*Das Ergebnis $\mu_{xy} = 0$ ist aber auch bei statistisch abhängigen Komponenten $x$ und $y$ möglich, nämlich dann, wenn diese unkorreliert, also ''linear unabhängig'' sind.
*Die statistische Abhängigkeit ist dann nicht von erster, sondern von höherer Ordnung, zum Beispiel entsprechend der Gleichung $y=x^2.$
$\rm (A)$ Die Varianzen bzw. die Streuungen können aus $f_{X}(x)$ und $f_{Y}(y)$ berechnet werden:
Man spricht von '''vollständiger Korrelation''', wenn die (deterministische) Abhängigkeit zwischen $x$ und $y$ durch die Gleichung $y = K · x$ ausgedrückt wird. Dann ergibt sich für die Kovarianz:
$\rm (B)$ Für die Kovarianz ergibt sich der folgende Erwartungswert:
Deshalb verwendet man häufig als Beschreibungsgröße anstelle der Kovarianz den so genannten Korrelationskoeffizienten.
===Dummy===
{{BlaueBox|TEXT=
$\text{Definition:}$ Der '''Korrelationskoeffizient''' ist der Quotient aus der Kovarianz $\mu_{xy}$ und dem Produkt der Effektivwerte $σ_x$ und $σ_y$ der beiden Komponenten:
*Ein positiver Korrelationskoeffizient bedeutet, dass bei größerem $x$–Wert im statistischen Mittel auch $y$ größer ist als bei kleinerem $x$.
*Dagegen drückt ein negativer Korrelationskoeffizient aus, dass $y$ mit steigendem $x$ im Mittel kleiner wird.
[[File:P_ID232__Sto_T_4_1_S7a_neu.png |right|frame| Gaußsche 2D-WDF mit Korrelation]]
{{GraueBox|TEXT=
$\text{Beispiel 5:}$ Es gelten folgende Voraussetzungen:
*Die betrachteten Komponenten $x$ und $y$ besitzen jeweils eine gaußförmige WDF.
*Die beiden Streuungen sind unterschiedlich $(σ_y < σ_x)$.
Im Unterschied zum [[Stochastische_Signaltheorie/Zweidimensionale_Zufallsgrößen#WDF_und_VTF_bei_statistisch_unabh.C3.A4ngigen_Komponenten| Beispiel 2]] mit statistisch unabhängigen Komponenten ⇒ $ρ_{xy} = 0$ $($trotz $σ_y < σ_x)$ erkennt man, dass hier bei größerem $x$–Wert im statistischen Mittel auch $y$ größer ist als bei kleinerem $x$.}}
Line 132:
Line 97:
*Das interaktive Applet [[Applets:Korrelationskoeffizient_%26_Regressionsgerade|Korrelationskoeffizient und Regressionsgerade]] verdeutlicht, dass sich im Allgemeinen $($falls $σ_y \ne σ_x)$ für die Regression von $x$ auf $y$ ein anderer Winkel und damit auch eine andere Regressionsgerade ergeben wird:
*Das interaktive Applet [[Applets:Korrelationskoeffizient_%26_Regressionsgerade|Korrelationskoeffizient und Regressionsgerade]] verdeutlicht, dass sich im Allgemeinen $($falls $σ_y \ne σ_x)$ für die Regression von $x$ auf $y$ ein anderer Winkel und damit auch eine andere Regressionsgerade ergeben wird:
Die Menge der möglichen '''Sinkensymbole''' wird durch die diskrete Zufallsgröße $Y$ charakterisiert. Diese entstammen der gleichen Symbolmenge wie die Quellensymbole ⇒ $M_Y=M_X = M$. Zur Vereinfachung der nachfolgenden Beschreibung bezeichnen wir diese mit Kleinbuchstaben, zum Beispiel für $M=3$: $Y = \{\hspace{0.05cm}{\rm a}, \hspace{0.15cm} {\rm b}, \hspace{0.15cm} {\rm c} \hspace{0.05cm}\}$.
Der Zusammenhang zwischen den Zufallsgrößen $X$ und $Y$ ist durch ein '''digitales Kanalmodell ohne Gedächtnis''' $($englisch: ''Discrete Memoryless Channel'', $\rm DMC)$ festgelegt. Die linke Grafik zeigt dieses für $M=2$ und die rechte Grafik für $M=3$.
[[File:Transinf_1_neu.png|center|frame|Digitales Kanalmodell für $M=2$ (links) und für $M=3$ (rechts). <br>Bitte beachten Sie: In der rechten Grafik sind nicht alle Übergänge beschriftet]]
Die folgende Beschreibung gilt für den einfacheren Fall $M=2$. Für die Berechnung aller informationstheoretischer Größen im nächsten Abschnitt benötigen wir außer $P_X(X)$ und $P_Y(Y)$ noch die zweidimensionalen Wahrscheinlichkeitsfunktionen $($jeweils eine $2\times2$–Matrix$)$ aller
# [[Stochastische_Signaltheorie/Statistische_Abhängigkeit_und_Unabhängigkeit#Bedingte_Wahrscheinlichkeit|bedingten Wahrscheinlichkeiten]] ⇒ $P_{\hspace{0.01cm}Y\hspace{0.03cm} \vert \hspace{0.01cm}X}(Y\hspace{0.03cm} \vert \hspace{0.03cm} X)$ ⇒ durch das DMC–Modell vorgegeben;
===Definition und Interpretation verschiedener Entropiefunktionen ===
Im [[Informationstheorie/Verschiedene_Entropien_zweidimensionaler_Zufallsgrößen|$\rm LNTwww$–Theorieteil]] werden alle für 2D–Zufallsgrößen relevanten Entropien definiert, die auch für die Digitalsignalübertragung gelten. Zudem finden Sie dort zwei Schaubilder, die den Zusammenhang zwischen den einzelnen Entropien illustrieren.
*Für die Digitalsignalübertragung ist die rechte Darstellung zweckmäßig, bei der die Richtung von der Quelle $X$ zur Sinke $Y$ erkennbar ist.
*Wir interpretieren nun ausgehend von dieser Grafik die einzelnen informationstheoretischen Größen.
[[File:P_ID2781__Inf_T_3_3_S2.png|center|frame|Zwei informationstheoretische Modelle für die Digitalsignalübertragung.
<br>Bitte beachten Sie: In der rechten Grafik ist $H_{XY}$ nicht darstellbar]]
*Die '''Quellenentropie''' (englisch: ''Source Entropy'' ) $H(X)$ bezeichnet den mittleren Informationsgehalt der Quellensymbolfolge. Mit dem Symbolumfang $|X|$ gilt:
*Die '''Äquivokation''' (auch ''Rückschlussentropie'' genannt, englisch: ''Equivocation'' ) $H(X|Y)$ gibt den mittleren Informationsgehalt an, den ein Betrachter, der über die Sinke $Y$ genau Bescheid weiß, durch Beobachtung der Quelle $X$ gewinnt:
*Die Äquivokation ist der Anteil der Quellenentropie $H(X)$, der durch Kanalstörungen (bei digitalem Kanal: Übertragungsfehler) verloren geht. Es verbleibt die '''Transinformation''' (englisch: ''Mutual Information'') $I(X; Y)$, die zur Sinke gelangt:
'''Hallo Veronika, bitte diese Gleichung an Beispielen überprüfen und mir zeigen, wie es geht. Ich stelle mich zu blöd!'''
*Die '''Irrelevanz''' (manchmal auch ''Streuentropie'' genannt, englisch: ''Irrelevance'') $H(Y|X)$ gibt den mittleren Informationsgehalt an, den ein Betrachter, der über die Quelle $X$ genau Bescheid weiß, durch Beobachtung der Sinke $Y$ gewinnt:
*Die '''Sinkenentropie''' $H(Y)$, der mittlere Informationsgehalt der Sinke, ist die Summe aus der nützlichen Transinformation $I(X; Y)$ und der Irrelevanz $H(Y|X)$, die ausschließlich von Kanalfehlern herrührt:
*Die '''Verbundentropie''' $H(XY)$ gibt ist den mittleren Informationsgehalt der 2D–Zufallsgröße $XY$ an.  sie beschreibt zudem eine obere Schranke für die Summe aus Quellenentropie und Sinkenentropie:
[[File:Transinf_2.png|right|frame|Betrachtetes Modell des Binärkanals]]
{{GraueBox|TEXT=
$\text{Beispiel 2}$: Es gelten die gleichen Voraussetzungen wie für das [[Applets:Transinformation_bei_binären_und_ternären_Nachrichtensystemen#Zugrunde_liegendes_Modell_der_Digitalsignal.C3.BCbertragung|$\text{Beispiel 1}$]]:
'''(1)''' Die Quellensymbole sind nicht gleichwahrscheinlich:
:$$P_X(X) = \big ( p_{\rm A},\ p_{\rm B} \big )=
\big ( 0.1,\ 0.9 \big )
\hspace{0.05cm}.$$
'''(2)''' Die Verfälschungswahrscheinlichkeiten seien:
[[File:Inf_T_1_1_S4_vers2.png|frame|Binäre Entropiefunktion als Funktion von $p$|right]]
*Wegen Voraussetzung '''(1)''' erhält man so für die Quellenentropie mit der [[Informationstheorie/Gedächtnislose_Nachrichtenquellen#Bin.C3.A4re_Entropiefunktion|binären Entropiefunktion]] $H_{\rm bin}(p)$:
Die Ergebnisse sind in nebenstehender Grafik zusammengefasst.
''Anmerkung'': Äquivokation und Irrelevanz könnte man (allerdfings mit Mehraufwand) auch direkt aus den entsprechenden Wahrscheinlichkeitsfunktionen berechnen, zum Beispiel:
* Mit $q=0.8$ sinkt die Transinformaion schon auf $I(X;Y) = 0.663$ und mit $q=0.5$ auf $0.085$ bit.
*Der ungünstigste Fall aus informationstheoretischer Sicht ist $q=1/3$ ⇒ $I(X;Y) = 0$.
*Dagegen ist der aus der aus Sicht der Übertragungstheorie ungünstigste Fall $q=0$ ⇒ „kein einziges Übertragungssymbol kommt richtig an” aus informationstheoretischer Sicht gar nicht so schlecht.
* Um dieses gute Ergebnis nutzen zu können, ist allerdings sendeseitig eine Kanalcodierung erforderlich. }}
<br><br>
===Definition und Bedeutung der Kanalkapazität ===
Berechnet man die Transinformation $I(X, Y)$ wie zuletzt im $\text{Beispiel 2}$ ausgeführt, so hängt diese nicht nur vom diskreten gedächtnislosen Kanal (englisch: ''Discrete Memoryless Channel'', kurz DMC) ab, sondern auch von der Quellenstatistik ⇒ $P_X(X)$ ab. Ergo: '''Die Transinformation''' $I(X, Y)$ ''' ist keine reine Kanalkenngröße'''.
{{BlaueBox|TEXT=
$\text{Definition:}$ Die von [https://de.wikipedia.org/wiki/Claude_Shannon Claude E. Shannon] eingeführte '''Kanalkapazität''' (englisch: ''Channel Capacity'') lautet gemäß seinem Standardwerk [Sha48]<ref name = ''Sha48''>Shannon, C.E.: ''A Mathematical Theory of Communication''. In: Bell Syst. Techn. J. 27 (1948), S. 379-423 und S. 623-656.</ref>:
Oft wird die Zusatzeinheit „bit/Kanalzugriff” hinzugefügt, bei englischen Texten „bit/use”. Da nach dieser Definition stets die bestmögliche Quellenstatistik zugrunde liegt, hängt $C$ nur von den Kanaleigenschaften ⇒ $P_{Y \vert X}(Y \vert X)$ ab, nicht jedoch von der Quellenstatistik ⇒ $P_X(X)$. }}
Shannon benötigte die Kanalbeschreibungsgröße $C$ zur Formulierung des Kanalcodierungstheorems – eines der Highlights der von ihm begründeten Informationstheorie.
{{BlaueBox|TEXT=
$\text{Shannons Kanalcodierungstheorem:}$
*Zu jedem Übertragungskanal mit der Kanalkapazität $C > 0$ existiert (mindestens) ein $(k, n)$–Blockcode, dessen (Block–)Fehlerwahrscheinlichkeit gegen Null geht, so lange die Coderate $R = k/n$ kleiner oder gleich der Kanalkapazität ist: $R ≤ C.$
* Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass für die Blocklänge dieses Codes gilt: $n → ∞.$
$\text{Umkehrschluss von Shannons Kanalcodierungstheorem:}$
Ist die Rate $R$ des verwendeten $(n$, $k)$–Blockcodes größer als die Kanalkapazität $C$, so ist niemals eine beliebig kleine Blockfehlerwahrscheinlichkeit nicht erreichbar.}}
$\text{Beispiel 4}$: Wir betrachten den gleichen diskreten gedächtnislosen Kanal wie im $\text{Beispiel 2}$.
In diesem $\text{Beispiel 2}$ wurden die Symbolwahrscheinlichkeiten $p_{\rm A} = 0.1$ und $p_{\rm B}= 1- p_{\rm A}=0.9$ vorausgesetzt. Damit ergab sich die Transinformation zu $I(X;Y)= 0.092$ bit/Kanalzugriff ⇒ siehe erste Zeile, vierte Spalte in der Tabelle.
Die '''Kanalkapazität''' ist die Transinformation $I(X, Y)$ bei bestmöglichen Symbolwahrscheinlichkeiten $p_{\rm A} = 0.55$ und $p_{\rm B}= 1- p_{\rm A}=0.45$:
Aus der Tabelle erkennt man weiter (auf die Zusatzeinheit „bit/Kanalzugriff„ verzichten wir im Folgenden):
*Der Parameter $p_{\rm A} = 0.1$ war sehr ungünstig gewählt, weil beim vorliegenden Kanal das Symbol $\rm A$ mehr verfälscht wird als $\rm B$. Schon mit $p_{\rm A} = 0.9$ ergibt sich ein etwas besserer Wert: $I(X; Y)=0.130$.
*Aus dem gleichen Grund liefert $p_{\rm A} = 0.55$, $p_{\rm B} = 0.45$ ein etwas besseres Ergebnis als gleichwahrscheinliche Symbole $p_{\rm A} = p_{\rm B} =0.5$.
*Je unsymmetrischer der Kanal ist, um so mehr weicht die optimale Wahrscheinlichkeitsfunktion $P_X(X)$ von der Gleichverteilung ab. Im Umkehrschluss: Bei symmetrischem Kanal ergibt sich stets die Gleichverteilung.}}
Der Ternärkanal von $\text{Beispiel 3}$ ist symmetrisch. Deshalb ist hier $P_X(X) = \big ( 1/3,\ 1/3,\ 1/3 \big )$ für jeden $q$–Wert optimal, und die in der Ergebnistabelle angegebene Transinformation $I(X;Y)$ ist gleichzeitig die Kanalkapazität $C$.
Erwartungswerte von 2D–Zufallsgrößen und Korrelationskoeffizient
Wir betrachten eine zweidimensionale $\rm (2D)$–Zufallsgröße $(XY)$ mit der Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion $\rm (WDF)$ $f_{XY}(x, y)$, wobei zwischen den Einzelkomponenten $X$ und $Y$ statistische Abhängigkeiten bestehen. Ein Sonderfall ist die Korrelation.
$\text{Definition:}$ Unter Korrelation versteht man eine lineare Abhängigkeit zwischen den Einzelkomponenten $X$ und $Y$.
Korrelierte Zufallsgrößen sind damit stets auch statistisch abhängig.
Aber nicht jede statistische Abhängigkeit bedeutet gleichzeitig eine Korrelation.
Für das Folgende setzen wir voraus, dass $X$ und $Y$ mittelwertfrei seien ${\rm E}\big [ X \big ] = {\rm E}\big [ Y \big ]=0$. Zur Beschreibung der Korrelation genügen dann folgende Erwartungswerte:
die Kovarianz zwischen den Einzelkomponenten $X$ und $Y$:
$$\mu_{XY}= {\rm E}\big [ X \cdot Y \big ] = \int_{-\infty}^{+\infty}\hspace{0.2cm}\int_{-\infty}^{+\infty} x\ \cdot y \cdot f_{XY}(x,y) \, {\rm d}x\, {\rm d}y\hspace{0.05cm}.$$
Bei statististischer Unabhängigkeit der beiden Komponenten $X$ und $Y$ ist die Kovarianz $\mu_{XY} \equiv 0$.
Das Ergebnis $\mu_{XY} = 0$ ist aber auch bei statistisch abhängigen Komponenten $X$ und $Y$ möglich, nämlich dann, wenn diese unkorreliert, also linear unabhängig sind.
Die statistische Abhängigkeit ist dann nicht von erster, sondern von höherer Ordnung, zum Beispiel entsprechend der Gleichung $Y=X^2.$
Man spricht von vollständiger Korrelation, wenn die (deterministische) Abhängigkeit zwischen $X$ und $Y$ durch die Gleichung $Y = K · X$ ausgedrückt wird. Dann ergibt sich für die Kovarianz:
$\mu_{XY} = σ_X · σ_Y$ bei positivem Wert von $K$,
$\mu_{XY} = -σ_X · σ_Y$ bei negativem $K$–Wert.
Deshalb verwendet man häufig als Beschreibungsgröße anstelle der Kovarianz den so genannten Korrelationskoeffizienten.
$\text{Definition:}$ Der Korrelationskoeffizient ist der Quotient aus der Kovarianz $\mu_{XY}$ und dem Produkt der Effektivwerte $σ_X$ und $σ_Y$ der beiden Komponenten:
$\text{Definition:}$ Als Korrelationsgerade bezeichnet man die Gerade $y = K(x)$ in der $(x, y)$–Ebene durch den „Mittelpunkt” $(m_x, m_y)$. Manchmal wird diese Gerade auch Regressionsgerade genannt.
Die Korrelationsgerade besitzt folgende Eigenschaften:
Die mittlere quadratische Abweichung von dieser Geraden – in $y$–Richtung betrachtet und über alle $N$ Punkte gemittelt – ist minimal:
Durch diese Nomenklatur soll deutlich gemacht werden, dass es sich hier um die Regression von $y$ auf $x$ handelt.
Die Regression in Gegenrichtung – also von $x$ auf $y$ – bedeutet dagegen die Minimierung der mittleren quadratischen Abweichung in $x$–Richtung.
Das interaktive Applet Korrelationskoeffizient und Regressionsgerade verdeutlicht, dass sich im Allgemeinen $($falls $σ_y \ne σ_x)$ für die Regression von $x$ auf $y$ ein anderer Winkel und damit auch eine andere Regressionsgerade ergeben wird: