PDF, CDF and Moments of Special Distributions
Contents
Programmbeschreibung
Das Applet stellt die Beschreibungsformen zweier wertkoninuierlicher Zufallsgrößen X und Y vergleichend gegenüber, wobei für die rote Zufallsgröße X und die blaue Zufallsgröße Y jeweils folgende Grundformen zur Auswahl stehen:
- Gaußverteilung, Gleichverteilung, Dreieckverteilung, Exponentialverteilung, Laplaceverteilung, Rayleighverteilung, Riceverteilung, Weibullverteilung, Wigner–Halbkreisverteilung, Wigner–Parabelverteilung, Cauchyverteilung.
Die folgenden Angaben beziehen sich auf die Zufallsgrößen X. Graphisch dargestellt werden
- die Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion fX(x) (oben) und
- die Verteilungsfunktion FX(x) (unten).
Zusätzlich werden noch einige integrale Kenngrößen ausgegeben, nämlich
- der lineare Mittelwert mX=E[X],
- der quadratische Mittelwert PX=E[X2],
- die Varianz σ2X=PX−m2X,
- die Standardabweichung (oder Streuung) σX,
- die Charliersche Schiefe SX,
- die Kurtosis KX.
Definition und Eigenschaften der dargestellten Beschreibungsgrößen
In diesem Applet betrachten wir ausschließlich (wert–)kontinuierliche Zufallsgrößen, also solche, deren mögliche Zahlenwerte nicht abzählbar sind.
- Der Wertebereich dieser Zufallsgrößen ist somit im allgemeinen der der reellen Zahlen (−∞≤X≤+∞).
- Es ist aber möglich, dass der Wertebereich auf ein Intervall begrenzt ist: xmin≤X≤+xmax.
Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion (WDF)
Bei einer kontinuierlichen Zufallsgröße X sind die Wahrscheinlichkeiten, dass X ganz bestimmte Werte x annimmt, identisch Null: Pr(X=x)≡0. Deshalb muss zur Beschreibung einer kontinuierlichen Zufallsgröße stets auf die Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion – abgekürzt WDF – übergegangen werden.
Definition: Der Wert der Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion fX(x) an der Stelle x ist gleich der Wahrscheinlichkeit, dass der Momentanwert der Zufallsgröße X in einem (unendlich kleinen) Intervall der Breite Δx um x liegt, dividiert durch Δx:
- f_X(x) = \lim_{ {\rm \Delta} x \hspace{0.05cm}\to \hspace{0.05cm} 0} \frac{ {\rm Pr} \big [x - {\rm \Delta} x/2 \le X \le x +{\rm \Delta} x/2 \big ] }{ {\rm \Delta} x}.
Die englische Bezeichnung für die Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion (WDF) ist Probability Density Function (PDF).
Die WDF weist folgende Eigenschaften auf:
- Für die Wahrscheinlichkeit, dass die Zufallsgröße X im Bereich zwischen x_{\rm u} und x_{\rm o} > x_{\rm u} liegt, gilt:
- {\rm Pr}(x_{\rm u} \le X \le x_{\rm o}) = \int_{x_{\rm u}}^{x_{\rm o}} f_{X}(x) \ {\rm d}x.
- Als wichtige Normierungseigenschaft ergibt sich daraus für die Fläche unter der WDF mit den Grenzübergängen x_{\rm u} → \hspace{0.1cm} – \hspace{0.05cm} ∞ und x_{\rm o} → +∞:
- \int_{-\infty}^{+\infty} f_{X}(x) \ {\rm d}x = 1.
Verteilungsfunktion (VTF)
Die Verteilungsfunktion – abgekürzt \rm VTF – liefert die gleiche Information über die Zufallsgröße X wie die Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion.
\text{Definition:} Die Verteilungsfunktion F_{X}(x) entspricht der Wahrscheinlichkeit, dass die Zufallsgröße X kleiner oder gleich einem reellen Zahlenwert x ist:
- F_{X}(x) = {\rm Pr}( X \le x).
Die englische Bezeichnung für die Verteilungsfunktion (VTF) ist Cumulative Distribution Function (CDF).
Die VTF weist folgende Eigenschaften auf:
- Die Verteilungsfunktion ist aus der Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion f_{X}(x) durch Integration berechenbar. Es gilt:
- F_{X}(x) = \int_{-\infty}^{x}f_X(\xi)\,{\rm d}\xi.
- Da die WDF nie negativ ist, steigt F_{X}(x) zumindest schwach monoton an, und liegt stets zwischen den folgenden Grenzwerten
- F_{X}(x → \hspace{0.1cm} – \hspace{0.05cm} ∞) = 0, \hspace{0.5cm}F_{X}(x → +∞) = 1.
- Umgekehrt lässt sich die Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion aus der Verteilungsfunktion durch Differentiation bestimmen:
- f_{X}(x)=\frac{{\rm d} F_{X}(\xi)}{{\rm d}\xi}\Bigg |_{\hspace{0.1cm}x=\xi}.
- Für die Wahrscheinlichkeit, dass die Zufallsgröße X im Bereich zwischen x_{\rm u} und x_{\rm o} > x_{\rm u} liegt, gilt:
- {\rm Pr}(x_{\rm u} \le X \le x_{\rm o}) = F_{X}(x_{\rm o}) - F_{X}(x_{\rm u}).
Erwartungswerte und Momente
Die Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion bietet ebenso wie die Verteilungsfunktion sehr weitreichende Informationen über die betrachtete Zufallsgröße. Weniger, aber dafür kompaktere Informationen in Form einzelner Zahlenwerte liefern die so genannten Erwartungswerte und Momente.
\text{Definition:} Der Erwartungswert bezüglich einer beliebigen Gewichtungsfunktion g(x) kann mit der WDF f_{\rm X}(x) in folgender Weise berechnet werden:
- {\rm E}\big[g (X ) \big] = \int_{-\infty}^{+\infty} g(x)\cdot f_{X}(x) \,{\rm d}x.
Setzt man in diese Gleichung für g(x) = x^k ein, so erhält man das Moment k-ter Ordnung:
- m_k = {\rm E}\big[X^k \big] = \int_{-\infty}^{+\infty} x^k\cdot f_{X} (x ) \, {\rm d}x.
Aus dieser Gleichung erhält man
- mit k = 1 für den linearen Mittelwert:
- m_1 = {\rm E}\big[X \big] = \int_{-\infty}^{ \rm +\infty} x\cdot f_{X} (x ) \,{\rm d}x,
- mit k = 2 für den quadratischen Mittelwert:
- m_2 = {\rm E}\big[X^{\rm 2} \big] = \int_{-\infty}^{ \rm +\infty} x^{ 2}\cdot f_{ X} (x) \,{\rm d}x.
In Zusammenhang mit Signalen sind auch folgende Bezeichnungen üblich:
- m_1 gibt den Gleichanteil an; bezüglich der Zufallsgröße X schreiben wir im Folgenden auch m_X.
- m_2 entspricht der (auf den Einheitswiderstand 1 \ Ω bezogenen) Signalleistung P_X.
Bezeichnet X beispielsweise eine Spannung, so hat nach diesen Gleichungen m_X die Einheit {\rm V} und die Leistung P_X die Einheit {\rm V}^2. Will man die Leistung in „Watt” \rm (W) angeben, so muss P_X noch durch den Widerstandswert R dividiert werden.
Zentralmomente
Besondere Bedeutung haben in der Statistik allgemein die so genannten Zentralmomente, von denen viele Kenngrößen abgeleitet werden,
\text{Definition:} Die Zentralmomente sind im Gegensatz zu den herkömmlichen Momenten jeweils auf den Mittelwert m_1 bezogen. Für diese gilt mit k = 1, \ 2, ...:
- \mu_k = {\rm E}\big[(X-m_{\rm 1})^k\big] = \int_{-\infty}^{+\infty} (x-m_{\rm 1})^k\cdot f_x(x) \,\rm d \it x.
- Bei mittelwertfreien Zufallsgrößen stimmen die zentrierten Momente \mu_k mit den nichtzentrierten Momente m_k überein.
- Das Zentralmoment erster Ordnung ist definitionsgemäß gleich \mu_1 = 0.
- Die nichtzentrierten Momente m_k und die Zentralmomente \mu_k können direkt ineinander umgerechnet werden. Mit m_0 = 1 und \mu_0 = 1 gilt dabei:
- \mu_k = \sum\limits_{\kappa= 0}^{k} \left( \begin{array}{*{2}{c}} k \\ \kappa \\ \end{array} \right)\cdot m_\kappa \cdot (-m_1)^{k-\kappa},
- m_k = \sum\limits_{\kappa= 0}^{k} \left( \begin{array}{*{2}{c}} k \\ \kappa \\ \end{array} \right)\cdot \mu_\kappa \cdot {m_1}^{k-\kappa}.
Einige häufig benutzte Zentralmomente
Aus der letzten Definition können folgende statistische Kenngrößen abgeleitet werden:
\text{Definition:} Die Varianz der betrachteten Zufallsgröße X ist das Zentralmoment zweiter Ordnung:
- \mu_2 = {\rm E}\big[(X-m_{\rm 1})^2\big] = \sigma_X^2.
- Die Varianz σ_X^2 entspricht physikalisch der „Wechselleistung” und die Streung σ_X (oder auch Standardabweichung) gibt den „Effektivwert” an.
- Aus dem linearen und dem quadratischen Mittelwert ist die Varianz nach dem Satz von Steiner in folgender Weise berechenbar: \sigma_X^{2} = {\rm E}\big[X^2 \big] - {\rm E}^2\big[X \big].
\text{Definition:} Die Charliersche Schiefe S_X der betrachteten Zufallsgröße X bezeichnet das auf σ_X^3 bezogene dritte Zentralmoment.
- Bei symmetrischer Dichtefunktion ist die Kenngröße S_X sets Null.
- Je größer S_X = \mu_3/σ_X^3 ist, um so unsymmetrischer verläuft die WDF um den Mittelwert m_X.
- Beispielsweise ergibt sich für die Exponentialverteilung die Schiefe S_X =2, und zwar unabhängig vom Verteilungsparameter λ.
\text{Definition:} Als Kurtosis der betrachteten Zufallsgröße X bezeichnet man den Quotienten K_X = \mu_4/σ_X^4 (\mu_4: Zentralmoment vierter Ordnung).
- Bei einer gaußverteilten Zufallsgröße ergibt sich hierfür immer der Wert K_X = 3.
- Anhand dieser Kenngröße kann man beispielsweise überprüfen, ob eine vorliegende Zufallsgröße tatsächlich gaußisch ist oder zumindest durch eine Gaußverteilung approximiert werden kann.
Zusammenstellung einiger wertkontinuierlicher Zufallsgrößen
Das Applet berücksichtigt folgende Verteilungen:
- Gaußverteilung, Gleichverteilung, Dreieckverteilung, Exponentialverteilung, Laplaceverteilung, Rayleighverteilung,
Riceverteilung, Weibullverteilung, Wigner–Halbkreisverteilung, Wigner–Parabelverteilung, Cauchyverteilung.
Einige von diesen sollen hier detailliert beschrieben werden.
Gaußverteilte Zufallsgrößen
(1) Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion (achsensymmetrisch um m_X)
- f_X(x) = \frac{1}{\sqrt{2\pi}\cdot\sigma_X}\cdot {\rm e}^{-(X-m_X)^2 /(2\sigma_X^2) }.
WDF–Parameter:
- m_X (Mittelwert bzw. Gleichanteil),
- σ_X (Streuung bzw. Effektivwert).
(2) Verteilungsfunktion (punktsymmetrisch um m_X)
- F_X(x)= \phi(\frac{\it x-m_X}{\sigma_X})\hspace{0.5cm}\rm mit\hspace{0.5cm}\rm \phi (\it x\rm ) = \frac{\rm 1}{\sqrt{\rm 2\it \pi}}\int_{-\rm\infty}^{\it x} \rm e^{\it -u^{\rm 2}/\rm 2}\,\, d \it u.
ϕ(x): Gaußsches Fehlerintegral (nicht analytisch berechenbar, muss aus Tabellen entnommen werden).
(3) Zentralmomente
- \mu_{k}=(k- 1)\cdot (k- 3) \ \cdots \ 3\cdot 1\cdot\sigma_X^k\hspace{0.2cm}\rm (falls\hspace{0.2cm}\it k\hspace{0.2cm}\rm gerade).
- Charliersche Schiefe S_X = 0, da \mu_3 = 0 (WDF ist symmetrisch um m_X).
- Kurtosis K_X = 3, da \mu_4 = 3 \cdot \sigma_X^2 ⇒ K_X = 3 ergibt sich nur für die Gauß–WDF.
(4) Weitere Bemerkungen
- Die Namensgebung geht auf den bedeutenden Mathematiker, Physiker und Astronomen Carl Friedrich Gauß zurück.
- Ist m_X = 0 und σ_X = 1, so spricht man oft auch von der Normalverteilung.
- Die Streuung kann aus der glockenförmigen WDF f_{X}(x) auch grafisch ermittelt werden (als Abstand von Maximalwert und Wendepunkt).
- Zufallsgrößen mit Gaußscher WDF sind wirklichkeitsnahe Modelle für viele physikalische Größen und auch für die Nachrichtentechnik von großer Bedeutung.
- Die Summe vieler kleiner und unabhängiger Komponenten führt stets zur Gauß–WDF ⇒ Zentraler Grenzwertsatz der Statistik ⇒ Grundlage für Rauschprozesse.
- Legt man ein gaußverteiltes Signal zur spektralen Formung an ein lineares Filter, so ist das Ausgangssignal ebenfalls gaußverteilt.
\text{Beispiel 1:} Die Grafik zeigt einen Ausschnitt eines stochastischen Rauschsignals x(t), dessen Momentanwert als eine kontinuierliche Zufallsgröße X aufgefasst werden kann. Aus der rechts dargestellten WDF erkennt man:
- Es liegt eine Gaußsche Zufallsgröße vor.
- Momentanwerte um den Mittelwert m_X treten am häufigsten auf.
- Wenn zwischen den Abtastwerten x_ν der Folge keine statistischen Bindungen bestehen, bezeichnet man ein solches Signal auch als „Weißes Rauschen”.
Gleichverteilte Zufallsgrößen
(1) Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion
- Die Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion (WDF) f_{X}(x) ist im Bereich von x_{\rm min} bis x_{\rm max} konstant gleich 1/(x_{\rm max} - x_{\rm min}) und außerhalb Null.
- An den Bereichsgrenzen ist für f_{X}(x) jeweils nur der halbe Wert (Mittelwert zwischen links- und rechtsseitigem Grenzwert) zu setzen.
(2) Verteilungsfunktion
- Die Verteilungsfunktion (VTF) steigt im Bereich von x_{\rm min} bis x_{\rm max} linear von Null auf 1 linear an.
(3) Momente und Zentralmomente
- Mittelwert und Streuung haben bei der Gleichverteilung die folgenden Werte:
- m_X = \frac{\it x_ {\rm max} \rm + \it x_{\rm min}}{2},\hspace{0.5cm} \sigma_X^2 = \frac{(\it x_{\rm max} - \it x_{\rm min}\rm )^2}{12}.
- Bei symmetrischer WDF ⇒ x_{\rm min} = -x_{\rm max} ist der Mittelwert m_X = 0 und die Varianz σ_X^2 = x_{\rm max}^2/3.
- Aufgrund der Symmetrie um den Mittelwert m_X ist die Charliersche Schiefe S_X = 0.
- Die Kurtosis ist mit K_X = 1.8 deutlich kleiner als bei der Gaußverteilung, weil die WDF–Ausläufer fehlen.
(4) Weitere Bemerkungen
- Für die Modellierung übertragungstechnischer Systeme sind gleichverteilte Zufallsgrößen die Ausnahme. Ein Beispiel für eine tatsächlich (nahezu) gleichverteilte Zufallsgröße ist die Phase bei kreissymmetrischen Störungen, wie sie beispielsweise bei Quadratur–Amplitudenmodulationsverfahren (QAM) auftreten.
- Die Bedeutung gleichverteilter Zufallsgrößen für die Informations– und Kommunikationstechnik liegt eher darin, dass diese WDF–Form aus Sicht der Informationstheorie unter der Nebenbedingung „Spitzenwertbegrenzung” ein Optimum bezüglich der differentiellen Entropie darstellt.
- In der Bildverarbeitung & Bildcodierung wird häufig mit der Gleichverteilung anstelle der tatsächlichen, meist sehr viel komplizierteren Verteilung des Originalbildes gerechnet, da der Unterschied des Informationsgehaltes zwischen einem natürlichen Bild und dem auf der Gleichverteilung basierenden Modell relativ gering ist.
- Bei der Simulation nachrichtentechnischer Systeme verwendet man häufig auf der Gleichverteilung basierende „Pseudo–Zufallsgeneratoren” (die relativ einfach zu realisieren sind), woraus sich andere Verteilungen (Gaußverteilung, Exponentialverteilung, etc.) leicht ableiten lassen.
Exponentialverteilte Zufallsgrößen
(1) Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion
Eine exponentialverteilte Zufallsgröße X kann nur nicht–negative Werte annehmen. Für x>0 hat die WDF den folgenden Verlauf hat:
- f_X(x)=\it \lambda_X\cdot\rm e^{\it -\lambda_X \hspace{0.05cm}\cdot \hspace{0.03cm} x}.
- Je größer der Verteilungsparameter λ_X ist, um so steiler erfolgt der Abfall.
- Definitionsgemäß gilt f_{X}(0) = λ_X/2, also der Mittelwert aus linksseitigem Grenzwert (0) und rechtsseitigem Grenzwert (\lambda_X).
(2) Verteilungsfunktion
Durch Integration über die WDF erhält man für x > 0:
- F_{X}(x)=1-\rm e^{\it -\lambda_X\hspace{0.05cm}\cdot \hspace{0.03cm} x}.
(3) Momente und Zentralmomente
- Die Momente der (einseitigen) Exponentialverteilung sind allgemein gleich:
- m_k = \int_{-\infty}^{+\infty} x^k \cdot f_{X}(x) \,\,{\rm d} x = \frac{k!}{\lambda_X^k}.
- Daraus und aus dem Satz von Steiner ergibt sich für Mittelwert und Streuung:
- m_X = m_1=\frac{1}{\lambda_X},\hspace{0.6cm}\sigma_X^2={m_2-m_1^2}={\frac{2}{\lambda_X^2}-\frac{1}{\lambda_X^2}}=\frac{1}{\lambda_X^2}.
- Die WDF ist hier deutlich unsymmetrisch. Für die Charliersche Schiefe ergibt sich S_X = 2.
- Die Kurtosis ist mit K_X = 9 deutlich größer als bei der Gaußverteilung, weil die WDF–Ausläufer sehr viel weiter reichen.
(4) Weitere Bemerkungen
- Die Exponentialverteilung hat große Bedeutung für Zuverlässigkeitsuntersuchungen; in diesem Zusammenhang ist auch der Begriff „Lebensdauerverteilung” üblich.
- Bei diesen Anwendungen ist die Zufallsgröße oft die Zeit t, die bis zum Ausfall einer Komponente vergeht.
- Desweiteren ist anzumerken, dass die Exponentialverteilung eng mit der Laplaceverteilung in Zusammenhang steht.
Laplaceverteilte Zufallsgrößen
(1) Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion
Wie aus der Grafik zu ersehen ist die Laplaceverteilung eine „zweiseitige Exponentialverteilung”:
- f_{X}(x)=\frac{\lambda_X} {2}\cdot{\rm e}^ { - \lambda_X \hspace{0.05cm} \cdot \hspace{0.05cm} \vert \hspace{0.05cm} x \hspace{0.05cm} \vert}.
- Der Maximalwert ist hier \lambda_X/2.
- Die Tangente bei x=0 schneidet die Abszisse wie bei der Exponentialverteilung bei 1/\lambda_X.
(2) Verteilungsfunktion
- F_{X}(x) = {\rm Pr}\big [X \le x \big ] = \int_{-\infty}^{x} f_{X}(\xi) \,\,{\rm d}\xi
- \Rightarrow \hspace{0.5cm} F_{X}(x) = 0.5 + 0.5 \cdot {\rm sign}(x) \cdot \big [ 1 - {\rm e}^ { - \lambda_X \hspace{0.05cm} \cdot \hspace{0.05cm} \vert \hspace{0.05cm} x \hspace{0.05cm} \vert}\big ]
- \Rightarrow \hspace{0.5cm} F_{X}(-\infty) = 0, \hspace{0.5cm}F_{X}(0) = 0.5, \hspace{0.5cm} F_{X}(+\infty) = 1.
(3) Momente und Zentralmomente
- Für ungeradzahliges k ergibt sich bei der Laplaceverteilung aufgrund der Symmetrie stets m_k= 0. Unter Anderem: Linearer Mittelwert m_X =m_1 = 0.
- Für geradzahliges k stimmen die Momente von Laplaceverteilung und Exponentialverteilung überein: m_k = {k!}/{\lambda^k}.
- Für die Varianz (= Zentralmoment zweiter Ordnung = Moment zweiter Ordnung) gilt: \sigma_X^2 = {2}/{\lambda_X^2} ⇒ doppelt so groß wie bei der Exponentialverteilung.
- Für die Charliersche Schiefe ergibt sich hier aufgrund der symmetrischen WDF S_X = 0.
- Die Kurtosis ist mit K_X = 6 deutlich größer als bei der Gaußverteilung, aber kleiner als bei der Exponentialverteilung.
(4) Weitere Bemerkungen
- Die Momentanwerte von Sprach– und Musiksignalen sind mit guter Näherung laplaceverteilt.
Siehe Lernvideo Wahrscheinlichkeit und Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion, Teil 2. - Durch eine zusätzliche Diracfunktion bei x=0 lassen sich auch Sprachpausen modellieren.
Kurzbeschreibung weiterer Verteilungen
\text{(A) Rayleighverteilung} Genauere Beschreibung
- Anwendung: Modellierung des Mobilfunkkanals (nichtfrequenzselektives Fading, nur Dämpfungs–, Beugungs– und Brechungseffekte, keine Sichtverbindung)
- Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion:
- f_X(x) = \left\{ \begin{array}{c} x/\lambda_X^2 \cdot {\rm e}^{- x^2/(2 \hspace{0.05cm}\cdot\hspace{0.05cm} \lambda_X^2)} \\ 0 \end{array} \right.\hspace{0.15cm} \begin{array}{*{1}c} {\rm f\ddot{u}r}\hspace{0.1cm} x\hspace{-0.05cm} \ge \hspace{-0.05cm}0, \\ {\rm f\ddot{u}r}\hspace{0.1cm} x \hspace{-0.05cm}<\hspace{-0.05cm} 0. \\ \end{array}.
\text{B) Riceverteilung} Genauere Beschreibung
- Anwendung: Modellierung des Mobilfunkkanals (nichtfrequenzselektives Fading, nur Dämpfungs–, Beugungs– und Brechungseffekte, mit Sichtverbindung)
- Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion (\rm I_0 bezeichnet die modifizierte Bessel–Funktion nullter Ordnung):
- f_X(x) = \frac{x}{\lambda_X^2} \cdot {\rm exp} \big [ -\frac{x^2 + C_X^2}{2\cdot \lambda_X^2}\big ] \cdot {\rm I}_0 \left [ \frac{x \cdot C_X}{\lambda_X^2} \right ]\hspace{0.5cm}\text{mit}\hspace{0.5cm}{\rm I }_0 (u) = {\rm J }_0 ({\rm j} \cdot u) = \sum_{k = 0}^{\infty} \frac{ (u/2)^{2k}}{k! \cdot \Gamma (k+1)} \hspace{0.05cm}.
\text{C) Weibullverteilung} [Genauere Beschreibung]
- Anwendung: Modellierung des Mobilfunkkanals (nichtfrequenzselektives Fading, nur Dämpfungs–, Beugungs– und Brechungseffekte, mit Sichtverbindung)
- Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion (\rm I_0 bezeichnet die modifizierte Bessel–Funktion nullter Ordnung):
- f_X(x) = \frac{x}{\lambda_X^2} \cdot {\rm exp} \big [ -\frac{x^2 + C_X^2}{2\cdot \lambda_X^2}\big ] \cdot {\rm I}_0 \left [ \frac{x \cdot C_X}{\lambda_X^2} \right ]\hspace{0.5cm}\text{mit}\hspace{0.5cm}{\rm I }_0 (u) = {\rm J }_0 ({\rm j} \cdot u) = \sum_{k = 0}^{\infty} \frac{ (u/2)^{2k}}{k! \cdot \Gamma (k+1)} \hspace{0.05cm}.
Versuchsdurchführung
- Wählen Sie zunächst die Nummer (1, ...) der zu bearbeitenden Aufgabe.
- Eine Aufgabenbeschreibung wird angezeigt. Die Parameterwerte sind angepasst.
- Lösung nach Drücken von „Musterlösung”.
- Im Folgenden steht \text{Rot} für die Zufallsgröße X und \text{Blau} für Y.
Die Nummer 0 entspricht einem „Reset”:
- Gleiche Einstellung wie beim Programmstart.
- Ausgabe eines „Reset–Textes” mit weiteren Erläuterungen zum Applet.
Was noch?
(1) Wählen Sie \text{Rot: Gaußverteilung}\ (m_X = 1, \ \sigma_X = 0.4) und \text{Blau: Gleichverteilung}\ (y_{\rm min} = -2, \ y_{\rm max} = +3). Interpretieren Sie die \rm WDF–Grafik.
- \text{Gaußverteilung}: Das \rm WDF–Maximum ist gleich f_{X}(x = m_X) = \sqrt{1/(2\pi \cdot \sigma_X^2)} = 0.9974 \approx 1.
- \text{Gleichverteilung}: Alle \rm WDF–Werte sind im Bereich -2 < y < +3 gleich 0.2. An den Rändern gilt f_Y(-2) = f_Y(+3)= 0.1 (halber Wert).
(2) Gleiche Einstellung wie bei (1). Wie groß sind die Wahrscheinlichkeiten {\rm Pr}(X = 0) und {\rm Pr}(0.5 \le X \le 1.5) sowie {\rm Pr}(Y = 0) und {\rm Pr}(0.5 \le Y \le 1.5) .
- {\rm Pr}(X = 0)={\rm Pr}(Y = 0) \equiv 0 ⇒ Wahrscheinlichkeit einer wertdiskreten Zufallsgröße, dass diese exakt einen bestimmten Wert annimmt.
- Die beiden anderen Wahrscheinlichkeiten können durch Integration über die WDF im Bereich +0.5\ \text{...} \ +\hspace{-0.1cm}1.5 ermittelt werden.
- Oder: {\rm Pr}(0.5 \le X \le 1.5)= F_X(1.5) - F_X(0.5) = 0.8944-0.1056 = 0.7888. Entsprechend: {\rm Pr}(0.5 \le Y \le 1.5)= 0.7-0.5=0.2.
(3) Gleiche Einstellungen wie bisher. Wie muss die Streung \sigma_X verändert werden, damit bei gleichem Mittelwert m_X für den quadratische Mittelwert gilt: P_X=2 ?
- Nach dem Satz von Steiner gilt: P_X=m_X^2 + \sigma_X^2 ⇒ \sigma_X^2 = P_X-m_X^2 = 2 - 1^2 = 1 ⇒ \sigma_X = 1.
(4) Gleiche Ausgangslage wie bisher: Wie müssen die Parameter y_{\rm min} und y_{\rm max} der Gleichverteilung geändert werden, damit sich m_Y = 0 und \sigma_Y^2 = 0.75 ergibt?
- Ausgehend von der bisherigen Einstellung (y_{\rm min} = -2, \ y_{\rm max} = +3) verändern wir y_{\rm max}, bis sich \sigma_Y^2 = 0.75 einstellt. ⇒ y_{\rm max} = 1.
- Die Breite des Rechtecks ist nun 3. Den gewünschten Mittelwert m_Y = 0 erreicht man durch eine Verschiebung: y_{\rm min} = -1.5, \ y_{\rm max} = +1.5.
- Sie könnten auch berücksichtigen, dass für eine mittelwertfreie Zufallsgröße (y_{\rm min} = -y_{\rm max}) folgende Gleichung gilt: \sigma_Y^2 = y_{\rm max}^2/3.
(5) Bei welchen der einstellbaren Verteilungen ist die Charliersche Schiefe S \ne 0 ?
- Die Charliersche Schiefe bezeichnet das auf σ_X^3 bezogene dritte Zentralmoment: S_X = \mu_3/σ_X^3 (gültig für die Zufallsgröße X).
- Ist die WDF f_X(x) um den Mittelwert m_X symmetrisch, dann ist die Kenngröße S_X stets Null.
- Exponentialverteilung: S_X =2; Rayleighverteilung: S_X =0.631 (jeweils unabhängig von λ_X); Riceverteilung: S_X >0 (abhängig von C_X, \ λ_X).
- Bei der Weibullverteilung kann die Charliersche Schiefe S_X abhängig vom WDF–Parameter K_X Null, positiv oder negativ sein.
(6) Wählen Sie \text{Rot: Gaußverteilung}\ (m_X = 1, \ \sigma_X = 0.4) und \text{Blau: Gaußverteilung}\ (m_X = 0, \ \sigma_X = 1) . Wie groß ist jeweils die Kurtosis?
- Bei jeder \text{Gaußverteilung} hat die Kurtosis den gleichen Wert: K_X = K_Y =3. Man bezeichnet deshalb K−3 als die „Gaußabweichung”.
- Anhand dieser Kenngröße kann man überprüfen, ob eine vorliegende Zufallsgröße durch eine Gaußverteilung approximiert werden kann.
(7) Bei welchen Verteilungen ergibt sich beispielsweise ein deutlich kleinerer Kurtosiswert als K=3? Und bei welchen Verteilungen ein deutlich größerer?
- K<3 ergibt sich immer dann, wenn die WDF–Werte stärker um den Mittelwert konzentriert sind als bei der Gaußverteilung.
- Dies trifft zum Beispiel für die Gleichverteilung (K=1.8) und für die Dreieckverteilung (K=2.4) zu.
- Sind die WDF–Ausläufer ausgeprägter als bei „Gauß”, so ist der Kurtosiswert K>3. Beispiel: Exponentialverteilung (K=9).
(8) Wählen Sie \text{Rot: Exponentialverteilung}\ (\lambda_X = 1) und \text{Blau: Laplaceverteilung}\ (\lambda_Y = 1) . Interpretieren Sie die Unterschiede?
- Die Laplaceverteilung ist symmetrisch um ihren Mittelwert (S_Y=0, \ m_Y=0) im Gegensatz zur Exponentialverteilung (S_X=2, \ m_X=1).
- Die geraden Momente m_2, \ m_4, \ \text{...} sind gleich, also auch der quadratische Mittelwert: P_X=P_Y=2. Nicht aber die Varianzen: \sigma_X^2 =1, \ \sigma_Y^2 =2.
- Die Wahrscheinlichkeiten {\rm Pr}(|X| < 2) = F_X(2) = 0.865 und {\rm Pr}(|Y| < 2) = F_Y(2) - F_Y(-2)= 0.9323 - 0.0677 = 0.865 sind gleich.
- Bei der Laplaceverteilung sind die Werte enger um den Mittelwert konzentriert als bei der Exponentialverteilung: K_Y =6 < K_X = 9.
(9) Wählen Sie \text{Rot: Riceverteilung}\ (\lambda_X = 1, \ C_X = 1) und \text{Blau: Rayleighverteilung}\ (\lambda_Y = 1). Variieren Sie C_X. Interpretieren Sie die Unterschiede?
- Mit C_X = 0 geht die Riceverteilung exakt in die Rayleighverteilung über. Ein größeres C_X „verbessert” die Performance, z.B. beim Mobilfunk.
- Bei „Rayleigh” und „Rice” ist die Abszisse der (zeitabhängige) Betrag A des Empfangssignals. Günstig ist, wenn {\rm Pr}(A \le A_0) klein ist (A_0 vorgegeben).
- Bei C_X \ne 0 und gleichem \lambda liegt die Rice–VTF im gesamten Definitionsbereich unterhalb der Rayleigh–VTF ⇒ kleineres {\rm Pr}(A \le A_0) für alle A_0.
(10) Wählen Sie \text{Rot: Riceverteilung}\ (\lambda_X = 0.6, \ C_X = 2). Durch welche Verteilung F_Y(y) lässt sich diese Riceverteilung gut approximieren?
- Die Kurtosis K_X = 2.9539 \approx 3 weist auf die Gaußverteilung hin. Günstige Parameter: m_Y = 2.15 > C_X, \ \sigma_Y = \lambda_X = 0.6.
- Je größer der Quotient C_X/\lambda_X ist, umso besser wird die Riceverteilung durch eine Gaußverteilung angenähert.
- Bei großem C_X/\lambda_X hat die die Riceverteilung keine Ähnlichkeit mehr mit der Rayleighverteilung.
(11) Wählen Sie \text{Rot: Weibullverteilung}\ (\lambda_X = 1, \ k_X = 1) und \text{Blau: Weibullverteilung}\ (\lambda_Y = 1, \ k_Y = 2). Interpretieren Sie die Ergebnisse.
- f_X(x) ist identisch mit der Exponentialverteilung und f_Y(y) mit der Rayleighverteilung.
- Nach bestmöglicher Anpassung unterscheiden sich allerdings die Parameter \lambda_{\rm Weibull} = 1 und \lambda_{\rm Rayleigh} = 0.7.
- Für K_X < 1 gilt zudem f_X(x = 0) \to \infty. Dies wirkt sich allerdings nicht durch unendlich große Momente aus.
(12) Wählen Sie \text{Rot: Weibullverteilung}\ (\lambda_X = 1, \ k_X = 1.6) und \text{Blau: Weibullverteilung}\ (\lambda_Y = 1, \ k_Y = 5.6). Interpretieren Sie die Charliersche Schiefe.
- Man beobachtet: Für K < K_* ist die Charliersche Schiefe positiv und für K > K_* negativ. Es gilt näherungsweise K_* = 3.6.
(13) Wählen Sie \text{Rot: Halbkreisverteilung}\ (m_X = 0, \ R_X = 1) und \text{Blau: Parabelverteilung}\ (m_Y = 0, \ R_Y = 1). Variieren Sie jeweils den R–Parameter.
- Die WDF ist jeweils mittelwertfrei und symmetrisch (S_X = S_Y =0) mit \sigma_X^2 = 0.25, \ K_X = 2 bzw. \sigma_Y^2 = 0.2, \ K_Y \approx 2.2.
Zur Handhabung des Applets
(A) Parametereingabe per Slider: \sigma_X, \sigma_Y und \rho
(B) Auswahl: Darstellung von WDF oder VTF
(C) Reset: Einstellung wie beim Programmstart
(D) Höhenlinien darstellen anstelle von „1D-WDF”
(E) Darstellungsbereich für „2D-WDF”
(F) Manipulation der 3D-Grafik (Zoom, Drehen, ...)
(G) Darstellungsbereich für „1D-WDF” bzw. „Höhenlinien”
(H) Manipulation der 2D-Grafik („1D-WDF”)
( I ) Bereich für die Versuchsdurchführung: Aufgabenauswahl
(J) Bereich für die Versuchsdurchführung: Aufgabenstellung
( L) Bereich für die Versuchsdurchführung: Musterlösung
Werte–Ausgabe über Maussteuerung (sowohl bei 2D als auch bei 3D)
Über die Autoren
Dieses interaktive Berechnungstool wurde am Lehrstuhl für Nachrichtentechnik der Technischen Universität München konzipiert und realisiert.
- Die erste Version wurde 2003 von Ji Li im Rahmen ihrer Diplomarbeit mit „FlashMX–Actionscript” erstellt (Betreuer: Günter Söder).
- 2019 wurde das Programm von Matthias Niller im Rahmen einer Werkstudententätigkeit auf „HTML5” umgesetzt und neu gestaltet (Betreuer: Tasnád Kernetzky).
Die Umsetzung dieses Applets auf HTML 5 wurde durch Studienzuschüsse der Fakultät EI der TU München finanziell unterstützt. Wir bedanken uns.