# ÜBERBLICK ZUM VIERTEN HAUPTKAPITEL #


$\rm U$niversal $\rm M$obile $\rm T$elecommunications $\rm S$ystem (UMTS) ist ein Mobilfunksystem der dritten Generation, das bei seiner Einführung eine zukunftsweisende Alternative zu den bis dahin verwendeten Mobilfunksystemen darstellen sollte. Es bietet im Vergleich zu GSM nicht nur eine hochwertigere Sprachqualität, sondern dank seiner schnelleren und paketvermittelten Übertragung auch eine Vielfalt erweiterter Dienste und Funktionalitäten.

UMTS wurde Ende der 1990er Jahre im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen der  International Telecommunication Union  (ITU) und dem 3GPP–Forum (3rd Generation Partnership Project) standardisiert und ist seit 2004 in Europa kommerziell verfügbar. In Deutschland wurden bis Ende 2007 mehr als 10 Millionen Nutzer registriert. Weltweit nutzen derzeit (2011) um die 200 Millionen Teilnehmer UMTS oder ähnliche Mobilfunksysteme der dritten Generation.

Dieses Kapitel beinhaltet im Einzelnen:

  • UMTS als Mobilfunksystem der dritten Generation,
  • die Dienste und Sicherheitsaspekte in UMTS,
  • die UMTS–Netzarchitektur,
  • die physikalischen, logischen und Transportkanäle sowie deren Interaktionen,
  • die zellulare Architektur in UMTS und deren Mechanismen,
  • die in UMTS verwendete Sprach– und Kanalcodierung,
  • die Bandspreizung und CDMA als Basis von UMTS,
  • die Funkressourcenverwaltung und Leistungsregelung in UMTS–Netzen,
  • die Weiterentwicklungen von UMTS wie HSDPA und HSUPA,
  • ein Ausblick auf Long Term Evolution (LTE), dem Schlagwort der vierten Generation.


Dem 4G–Standard  Long Term Evolution  (LTE) ist im Buch „Mobile Kommunikation” ein eigenes Kapitel gewidmet.


Anforderungen an Mobilfunksysteme der dritten Generation


Die wichtigste Motivation zur Entwicklung von  Mobilfunksystemen der dritten Generation  war die Erkenntnis, dass die Systeme der zweiten Generation den Bandbreitenbedarf zur Nutzung multimedialer Dienste nicht zufrieden stellen konnten.

Entwicklung der Mobilfunksysteme von 1995 bis 2006

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Mobilfunksysteme seit 1995 hinsichtlich Leistungsfähigkeit bzw. Datenübertragungsrate aus Sicht des Jahres 2007:

  • Die angegebenen Datenraten für HSUPA $($Uplink, bis  $\text{3 Mbit/s)}$  und HSDPA $($Downlink, bis  $\text{7 Mbit/s)}$  waren für 2006/2007 realistisch.
  • In den Spezifikationen wurden dagegen für den Uplink  $\text{5.8 Mbit/s}$ und für den Downlink  $\text{14.4 Mbit/s}$ (also deutlich höhere Maximalwerte) genannt, die in der Praxis wohl aber nicht erreichbar sein werden.


Die Mobilfunksysteme der dritten Generation sollten über eine größere Bandbreite als das damals bereits etablierte  GSM  verfügen und genügend Reserve an Leistungsfähigkeit aufweisen, um auch bei den stetig wachsenden Anforderungen eine hohe Dienstgüte gewährleisten zu können.

Bei der Entwicklung der Systeme der dritten Generation hat die  International Telecommunication Union  (ITU) eine wichtige Rolle gespielt. Sie hat unter anderem einen Anforderungskatalog erstellt, der ihre Eigenschaften festlegte. Dieser Anforderungskatalog umfasst folgende Rahmenbedingungen:

  • Hohe Datenraten von  $\text{144 kbit/s}$ (Standard) bis  $\text{2 Mbit/s}$  (In-door),
  • symmetrische und asymmetrische Datenübertragung (IP–Dienste),
  • leitungsvermittelte (circuit–switched) und paketvermittelte (packed–switched) Übertragung,
  • hohe Sprachqualität und hohe Spektraleffizienz,
  • nahtloser Übergang von und zu Systemen der zweiten Generation,
  • globale Erreichbarkeit und Verbreitung,
  • Anwendungen unabhängig vom verwendeten Netz (Virtual Home Environment).


Der IMT–2000–Standard


Im Jahre 1992 wurde von der  International Telecommuncation Union  (ITU) der Standard  $\rm IMT\hspace{-0.1cm}-\hspace{-0.1cm}2000$  $($International Mobile Telecommunications at  2000 MHz$)$  ins Leben gerufen, der die genannten Anforderungen ermöglichen sollte. Dieser umfasst eine Reihe verschiedener Mobilfunksysteme der dritten Generation, die im Laufe der Standardisierung aneinander angenähert wurden, um die Entwicklung von gemeinsamen Endgeräten für alle diese Standards zu ermöglichen.

Um national unterschiedliche Vorarbeiten zu berücksichtigen und den Netzbetreibern die Möglichkeit zu geben, die bereits bestehenden Netzarchitekturen zum Teil weiter zu verwenden, beinhaltet IMT–2000 mehrere Einzelstandards. Diese lassen sich grob in vier Kategorien einteilen:

Die "IMT–Familie" – ein Überblick
  • $\rm W–CDMA$:   Dazu zählt man die FDD-Komponente des europäischen UMTS–Standards sowie das amerikanische cdma2000–System.
  • $\rm TD–CDMA$:   Zu dieser Gruppe zählt die TDD–Komponente von UMTS sowie das chinesische TD–SCDMA, das mittlerweile in den UMTS–TDD–Standard integriert ist.
  • $\rm TDMA$:   Eine Weiterentwicklung des GSM–Ablegers EDGE und des amerikanischen Pendants UWC–136, auch bekannt als DS–AMPS.
  • $\rm FD–TDMA$:   Die Weiterentwicklung des europäischen Schnurlos–Telefonie–Standards DECT (Digital Enhanced Cordless Telecommunication).


Im Folgenden konzentrieren wir uns auf das in Europa entwickelte System  $\rm UMTS$  (Universal Mobile Telecommunications System), das die beiden erstgenannten Standards  sowie  $\rm TD–CDMA$  der Systemfamilie IMT–2000 unterstützt.


Historische Entwicklung von UMTS


Es folgen einige Daten zur historischen Entwicklung von UMTS und der verwendeten Techniken. Weitere Informationen finden Sie zum Beispiel unter diesem Internet–Link.

  • 1940–1950   Erste militärische Anwendungen von Signalspreizverfahren.
  • 1949   Erste Grundzüge des CDMA–Verfahrens durch C. E. Shannon und J. R. Pierce.
  • 1970   Verschiedene CDMA–Entwicklungen für militärische Systeme, z.B. GPS.
  • 1989–1992   Grundlagenforschung zu den Eigenschaften zukünftiger Mobilfunksysteme im Rahmen des EU–Programms RACE–1
    (Research, Analysis, Communication, Evaluation).
  • 1992   Erste Überlegungen zum Standard IMT–2000 durch die ITU.
  • 1992–1995   EU–Programm RACE–2 mit dem Schwerpunkt „Entwicklung von Systemkonzepten” – basierend auf den Ergebnissen von RACE–1.
  • 1996   Gründung des UMTS–Forums in Zürich – Umbenennung des geplanten europäischen Standards „W–CDMA” in „UMTS”.
  • 1998   Übernahme der beiden Modi W–CDMA und TD–CDMA in den UMTS–Standard auf der ETSI–SMG–Sitzung in Paris.
  • 1998   Gründung des 3gpp–Forums (3rd Generation Partnership Project) durch die Gremien ETSI–SMG, T1P1, ARIB TTC und TTA.
  • 1999   Verabschiedung des Standards UMTS–R99 (Release 1999) durch die ETSI. Dieser gilt als Basis für die ersten verfügbaren UMTS–Endgeräte.
  • 2001   Verabschiedung der Release 4 als Weiterentwicklung von UMTS–R99: Quality of Service (QoS) wird nun an der Funkschnittstelle und im Festnetz unterstützt.
  • 2001   Erstes kommerzielle UMTS–Netz des norwegischen Unternehmens TELENOR.
  • 2002   Verabschiedung der UMTS Release 5:   Die an das GSM–Festnetz angelehnte Architektur wird durch ein vollständig IP–basiertes Festnetz ersetzt.
  • 2002   Erste UMTS–Sprach– und Datenverbindung von Nortel Networks und Qualcomm. Diese Firmen gelten als Vorreiter bei der Umsetzung der UMTS–Technologie.
  • 2004   Verabschiedung der UMTS Release 6. Dieser Standard bietet dem Nutzer einen verbesserten QoS und dem Anbieter eine effektivere Ressourcenverwaltung.


Zur historischen Entwicklung von UMTS

$\text{Zusammenfassung der historischen Entwicklung von UMTS}$ 


Auch bei UMTS ist zwischen den ersten Konzeptüberlegungen und der endgültigen Einführung mehr als ein Jahrzehnt vergangen.


Dies war ähnlich wie bei der Einführung anderer Kommunikationssysteme, wie zum Beispiel bei

  • ISDN  (Integrated Services Digital Network),
  • DSL  (Digital Subscriber Line),
  • GSM  (Global System for Mobile Communications).


Frequency allocation for UMTS


Zuständig für die Zuweisung von Bandbreiten und Frequenzbänder der Kommunikationssysteme ist die  International Telecommunication Union  (ITU). Insbesondere bei UMTS gibt es aber Abweichungen zwischen den europäischen und den ITU–Frequenzzuweisungen, da manche Frequenzbänder in manchen Ländern schon von anderen Mobilfunksystemen belegt waren. Die Grafik zeigt die europäische (unten) sowie die ITU–Frequenzbelegung (oben).

UMTS–Frequenzspektren

Hierbei bedeuten:

  • $\rm GSM \ 1800$ – Frequenzband für den Downlink des GSM 1800,
  • $\rm SAT$ – satellitengestützte Systeme
    (jeweils  $\text{30 MHz}$  für Uplink und Downlink),
  • $\rm DECT$ – Digital Enhanced Cordless Telecommunications
    (Schnurlostelefon– Standard),
  • $\rm UTRA–FDD$ – UMTS Terrestrial Radio Access–Frequency Division Duplex,
  • $\rm UTRA–TDD$ – UMTS Terrestrial Radio Access–Time Division Duplex.


$\rm UTRA–FDD$  – oder kurz  $\rm FDD$  – besteht aus zwölf gepaarten Uplink– und Downlink–Frequenzbändern zu je  $\text{5 MHz}$  Bandbreite. Die Frequenzbänder liegen in Europa

  • zwischen  $\text{1920 MHz}$  und  $\text{1980 MHz}$  im Uplink, sowie
  • zwischen  $\text{2110 MHz}$  und  $\text{2170 MHz}$  im Downlink.


Dagegen besteht  $\rm UTRA–TDD$  – oder kurz $\rm TDD$ – aus fünf Frequenzbändern zu je  $\text{5 MHz}$  Bandbreite, in denen mittels Zeitmultiplex sowohl Uplink– als auch Downlink–Daten übertragen werden sollen.

  • Für TDD sind die Frequenzen zwischen  $\text{1900 MHz}$  und  $\text{1920 MHz}$  (vier Kanäle) und zwischen  $\text{2020 MHz}$  und  $\text{2025 MHz}$  (ein Kanal) reserviert.
  • Das Band zwischen  $\text{2010 MHz}$  und  $\text{2020 MHz}$  wurde noch nicht lizenziert und wird deswegen in Deutschland ebenfalls noch nicht genutzt.


Vollduplexverfahren


Um die beiden Übertragungsrichtungen Uplink und Downlink zu trennen, werden in UMTS zwei unterschiedliche Betriebsmodi unterstützt. Man unterscheidet:

  • UMTS Terrestrial Radio Access Frequency Division Duplex  (UTRA–FDD),
  • UMTS Terrestrial Radio Access Time Division Duplex  (UTRA–TDD).


Der wesentliche Unterschied zwischen diesen beiden Modi zeigt sich vor allem in der physikalischen Ebene des Protokollstapels. Die beiden Verfahren unterscheiden sich dabei sowohl in ihren Duplex– als auch in ihren Vielfachzugriffsverfahren.

UTRA–FDD–Modus in UMTS

Im  $\rm UTRA–FDD$–Modus werden – wie in obiger Grafik zu sehen – die Uplink– und Downlink–Daten gleichzeitig auf unterschiedlichen, aber korrespondierenden gepaarten Frequenzblöcken zu je  $\text{5 MHz}$  übertragen. Dabei ist zu beachten:

  • Daten verschiedener Teilnehmer werden auf dem gleichen Frequenzband gesendet und empfangen.
  • Die Verwendung von verschiedenen CDMA–Spreizcodes ermöglicht die Trennung der jeweiligen Teilnehmerdaten.
  • Es wird außerdem das  TDMA–Verfahren  verwendet, um periodische Funktionen wie zum Beispiel die Leistungssteuerung zu realisieren.
  • Das  FDMA–Verfahren  kann zusätzlich zu CDMA und TDMA genutzt werden, wenn der Netzbetreiber über mehr als einen Frequenzkanal verfügt.


Der FDD–Modus wird nur in Europa und meist nur bei symmetrischen Diensten verwendet, deren Bandbreitenanforderungen im Uplink und im Downlink etwa gleich sind. Dies ist zum Beispiel bei der Sprachkommunikation oder der Videotelefonie der Fall.


Im  $\rm UTRA–TDD$–Modus werden Uplink– und Downlink–Daten im gleichen Frequenzband übertragen. Dabei werden Uplink und Downlink zeitlich getrennt, wie die folgende Grafik zeigt. Weiterhin gilt:

  • Der Umschaltzeitpunkt (Switching Point) kann abhängig vom Datenvolumenverhältnis zwischen Uplink und Downlink flexibel gewählt werden.
  • Die Teilnehmer werden beim TDD–Modus sowohl durch den Spreizcode  (wie bei FDD)  als auch durch den Zeitschlitz gekennzeichnet.
  • Verfügt der Netzbetreiber mehrere Frequenzkanäle, so kann wie bei FDD zusätzlich zu CDMA und TDMA noch FDMA zum Einsatz kommen.
UTRA–TDD–Modus in UMTS

Der TDD–Modus wird derzeit in Europa noch nicht genutzt und wird nach seiner Einführung hauptsächlich bei asymmetrischen Diensten (zum Beispiel:   Downloads oder Surfen im Internet) eingesetzt werden, bei denen sich die Datenvolumina von Downlink und Uplink deutlich unterscheiden.


Eigenschaften des UMTS-Funkkanals


Im UMTS–Funkkanal treten neben Interferenzen durch andere Teilnehmer und Rauschen zusätzlich eine Reihe unvorhersehbarer, störender und verzerrender Effekte auf, die sich zudem über der Zeit verändern.

Bedingt durch Reflexionen sowie Streuungen und Beugungen an Objekten erfährt das gesendete Signal eine  Mehrwegeausbreitung  (englisch:  Mulipath Scattering).

Szenario mit Mehrwegeausbreitung
  • Dabei erreicht das Signal den Empfänger nicht nur über den direkten Pfad, sondern über mehrere Wege mit unterschiedlichen Laufzeiten und unterschiedlich gedämpft.
  • Die Mehrwegeausbreitung wird von der Umgebung beeinflusst, zusätzlich aber auch von einer möglichen Bewegung des Teilnehmers, wie in der Grafik durch die Bewegungsgeschwindigkeit  $v$  angedeutet ist.


Der  Pfadverlust  (englisch:  Path–Loss) geht auf Ausbreitungseigenschaften elektromagnetischer Wellen zurück – siehe Seite  Gebräuchliches Pfadverlustmodell  im Buch "Mobile Kommunikation". Für die Untersuchung dieses Dämpfungsphänomens gehen wir von einem vereinfachten Pfadverlustmodell aus. Dieses besagt:

  • Die Empfangsleistung eines Funksignals fällt mit der Entfernung  $d$  um  $d^{–γ}$, wobei  $γ$  eine mediumsabhängige Konstante der Funkausbreitungswelle darstellt.
  • Unter Berücksichtigung von konstruktiven oder destruktiven Bodenreflexionen nimmt die Konstante  $γ$  unterhalb des  "Break Points"  $d_0$  Werte zwischen  $2$  und  $3$  an.
  • Oberhalb dieses charakteristischen Punktes verstärken sich die Reflexionseffekte und die Ausbreitungskonstante  $γ$  wächst auf Werte zwischen  $3.5$  und  $4$  an.


Pfadverlust (Dämpfung) abhängig von der Entfernung

$\text{Beispiel 1:}$  Rechts dargestellt ist der Pfadverlust (in dB) in Abhängigkeit der Entfernung  $d$. Bei diesem Beispiel ist die Konstante  $α_0 = 10^{–5}$  $($also  $50 \ \rm dB)$  gesetzt und der Break Point liegt bei  $d_0 = \ \rm 100 \ m$.

  • Im linken Bereich  $(d \ll d_0)$  gilt  $γ \approx 2$.
  • Für  $d \gg d_0$  ist dagegen  $γ \approx 4$.
  • Im Bereich um  $d = d_0$  steigt die Ausbreitungskonstante koninuierlich von  $γ = 2$  auf  $γ = 4$  an.


Frequenz– und zeitselektives Fading


Eine wesentliche Eigenschaft des Mobilfunkkanals stellt das so genannte  Fading  dar. Dieses entsteht durch zeitlich veränderliche Signalabschattungen  (englisch:  Shadowing)  und durch mögliche Bewegungen des Mobilfunkteilnehmers.

Im Buch  Mobile Kommunikation  wird diese Art der Signalbeeinträchtigung ausführlich behandelt.

Hier folgt nur eine kurze Zusammenfassung. Man unterscheidet zum einen:

  • schnelles Fading  (englisch:  Fast Fading  oder  Short Term Fading)  mit kurzzeitigen Einbrüchen der Empfangsleistung im Mikrosekundenbereich,
  • langsames Fading  (englisch:  Long Term Fading)  – also nur langsame Veränderungen (meist) im Sekundenbereich.


Fast Fading  beeinträchtigt hauptsächlich Systeme mit großer Symboldauer, also kleiner Bandbreite. Da aber die Bandbreite bei UMTS sehr viel größer ist als bei GSM, ist dieses System weniger anfällig gegenüber Fast Fading.

Weiterhin lässt sich Fading auch noch wie folgt klassifizieren:

  • Frequenzselektives Fading  wird durch Mehrwegeausbreitung über Pfade mit unterschiedlichen Verzögerungszeiten verursacht. Als Folge dieses Fadings werden verschiedene Frequenzanteile durch die Leistungsübertragungsfunktion  $|H_{\rm K}(f)|^2$  des Kanals unterschiedlich gedämpft.
  • Zeitselektives Fading  entsteht durch eine Relativbewegung zwischen Sender und Empfänger. Dadurch kommt es abhängig von der Bewegungsrichtung  (hin zum oder weg vom Sender)  zu Frequenzverschiebungen, die physikalisch durch den  Dopplereffekt  beschrieben werden.


Die Fadingeigenschaften  "frequenzselektiv"  und  "zeitselektiv"  sollen nun noch etwas genauer erläutert werden, insbesondere wird dargelegt, unter welchen Bedingungen mit welchen dieser Fadingarten zu rechnen ist. Wir verweisen an dieser Stelle auch auf die beiden interaktiven Applets

Mehrwegeausbreitung und Frequenzselektivität  sowie
Zur Verdeutlichung des Dopplereffekts.

$\text{Kennzeichen von frequenzselektivem Fading:}$ 

  • Durch den Empfang verschiedener Streukomponenten mit unterschiedlichen Verzögerungszeiten entsteht eine  Mehrwegeverbreiterung  (englisch:  Delay Spread )  $T_{\rm V}$, definiert als Differenz zwischen maximaler und minimaler Verzögerungszeit. Der Kehrwert hiervon ergibt näherungsweise die Kohärenzbandbreite  $B_{\rm K}$.
  • Man spricht dann von  frequenzselektivem Fading, wenn die Kohärenzbandbreite  $B_{\rm K}$  sehr viel kleiner ist als die Signalbandbreite  $B_{\rm S}$. Als Folge werden verschiedene Frequenzanteile durch den Kanal unterschiedlich gedämpft, woraus lineare Verzerrungen resultieren.


$\text{Kennzeichen von zeitselektivem Fading:}$ 

  • Beim zeitselektiven Fading entsteht eine so genannte  Dopplerverbreiterung  (englisch:  Doppler Spread )  $B_{\rm D}$, die als Differenz zwischen der maximal und der minimal auftretenden Dopplerfrequenz definiert ist.
  • Deren Kehrwert bezeichnet man als die  Korrelationsdauer  $T_{\rm D} = {1}/{B_{\rm D} }$. In manchen Literaturstellen wird diese Größe auch als  Kohärenzzeit  bezeichnet. Bei UMTS tritt immer dann  zeitselektives Fading  auf, wenn die  Korrelationsdauer  $T_{\rm D}$  sehr viel kleiner ist als die Chipdauer  $T_{\rm C}$.


$\text{Beispiel 2:}$  Die linke Grafik verdeutlicht den Unterschied zwischen frequenzselektivem und nicht frequenzselektivem Fading:

Die roten Kurven verdeutlichen frequenzselektives und zeitselektives Fading
  • Dargestellt ist die Leistungsübertragungsfunktion  $\vert H_{\rm K}(f, t)\vert ^2$  des Kanals zu einer festen Zeit  $t$.
  • Während blau nichtfrequenzselektives Fading mit  $-5 \ \rm dB$  eingezeichnet ist, zeigt die rote Kurve in der linken Grafik ein Beispiel von frequenzselektivem Fading.
  • Unterschiedliche Frequenzanteile werden dabei unterschiedlich gedämpft.


Die rechte Grafik zeigt schematisch zeitselektives Fading:

  • Aufgetragen ist hier die Leistungsübertragungsfunktion  $\vert H_{\rm K}(f, t) \vert ^2$  des Kanals für eine feste Frequenz  $f$.
  • Die blaue Kurve gilt für nicht zeitselektives Fading:  Zu jeder Zeit wird das Signal um  $5 \ \rm dB$  gedämpft.


UMTS–Dienste


Die Einführung von UMTS hat sich unter anderem die Erweiterung und Diversifikation der angebotenen Mobilfunkdienste zum Ziel gesetzt. Ein UMTS–fähiges Endgerät muss zusätzlich zu den klassischen Diensten (Sprachübertragung, Messaging, usw.) eine Reihe komplexerer multimedialer Anwendungen und Funktionen unterstützen.

Man kann diese Dienste – je nach Anwendung – in sechs Hauptkategorien unterteilen:

  • Information :   Internet–Surfen (Info–on–demand), Online–Printmedien,
  • Kommunikation :   Video– und Audiokonferenz, Fax, ISDN, Messaging,
  • Unterhaltung :   Mobile TV, Mobile Radio, Video–on–Demand, Online–Gaming,
  • Geschäftlicher Bereich :   Interaktives Einkaufen, E–Commerce,
  • Technischer Bereich :   Online–Betreuung, Distributionsservice (Sprache und Daten),
  • Medizinischer Bereich :   Telemedizin.


Zusammenstellung und Klassifizierung der UMTS–Dienste

$\text{Beispiel 3:}$  In der Abbildung sind die UMTS–Dienste nach verschiedenen Merkmalen klassifiziert:

  1. nach Datenrate in vertikaler Richtung,
  2. nach Art der Verbindung (bidirektional, unidirektional, Broadcast) in horizontaler Richtung.



Anmerkungen:

  • Die Höhe eines Kästchens gibt (in etwa) den Bereich für die erforderliche Datenrate an.
  • Die Breite deutet näherungsweise auf den Datenumfang hin.


Security aspects


Die Sicherheitsmerkmale in UMTS–Netzen basieren auf den gleichen Prinzipien wie bei GSM. Allerdings wurden einige GSM–Sicherheitsfunktionen entfernt, ersetzt oder ausgebaut. Dadurch wurden

  • die Verschlüsselungsalgorithmen robuster,
  • die Authentifizierungsalgorithmen strenger und
  • die Kriterien zur Vertraulichkeit eines Teilnehmers enger.


Die wesentlichen von GSM übernommenen Sicherheitsstandards bei UMTS sind:

  1.  Authentifizierung des Teilnehmers,
  2.  Vertraulichkeit der Teilnehmeridentität,
  3.  Verschlüsselung der Funkschnittstelle.


Zusätzlich zu diesen wurden bei UMTS noch weitere Sicherheitsmaßnahmen beachtet:

  1.  Gegenseitige Authentifizierung, um die Nutzung falscher Basisstationen zu vermeiden,
  2.  Verschlüsselung der Verbindung zwischen Basisstation und zugehörigem Kontrollknoten,
  3.  Verschlüsselung und Authentifizierung der Sicherheitsdaten bei der Übertragung,
  4.  Mechanismen zur Aktualisierung der Sicherheitsmerkmale.


Man kann die oben aufgeführten Sicherheitsmaßnahmen entsprechend der Grafik klassifizieren.

Zusammenstellung der Sicherheitsmaßnahmen bei UMTS

Man unterscheidet Sicherheitskonzepte für

  • den sicheren  Netzzugang  (Network Access Security)  für jeden Teilnehmer,
  • die  Netzdomäne  (Network Domain Security)  – ein sicherer Austausch von Kontrolldaten zwischen den Knoten innerhalb der Netzdomäne wird sichergestellt,
  • die  Teilnehmerdomäne  (User Domain Security)  – der Zugang zu den Endgeräten wird sichergestellt,
  • die  Anwendungsdomäne  (Application Domain Security)  – der sichere Austausch zwischen Anwendungen der Teilnehmerendgeräte und der Netzanbieter wird garantiert.


Der UMTS–Teilnehmer kann jederzeit erkennen, welche dieser Sicherheitsmaßnahmen in Betrieb sind und welche davon für bestimmte Dienste benötigt werden. Man spricht in diesem Zusammenhang von Sichtbarkeit und Konfigurierbarkeit der Sicherheit.


Aufgaben zum Kapitel


Aufgabe 4.1: Verschiedene Duplexverfahren bei UMTS

Aufgabe 4.2: Grundlegendes zum UMTS-Funkkanal